Was Google über mich zu wissen glaubt …

Was Google über mich zu wissen glaubt …

Ich stelle gerade fest, dass ich mir noch nie Gedanken darüber gemacht habe, welchem Geschlecht Google eigentlich zuzuordnen ist. Heißt es der Google? Oder das Google? Oder eher die Google? Na ist ja auch egal. Fakt ist: Google bringt mich in Erklärungsnot.

Unfreiwilliger Arbeitgeber

Ich habe drei Mitarbeiter. Also zumindest, wenn es nach Google geht. Diese Mitarbeiter heißen – laut Google – Karlheinz Thaler, Monika Kreuzwirt und Hartmuth Lohs. Letzterer ist mein Mann. Und ja, zugegeben, er macht sich oft darüber lustig, wenn ich zuviele Dinge auf einmal von ihm erledigt haben will, indem er sagt: “Ja Chefin!” Wenngleich ich also eventuell manchmal so etwas wie der Haushaltsvorstand zu sein scheine, ist mein Mann noch lange nicht bei meiner Firma angestellt.

Dabei dürfte die Entwicklung der Wirtschaftslage im Allgemeinen und die aktuelle Situation der KMU im Speziellen auch schon bei mir ihren Tribut gefordert haben. Denn vor gar nicht allzu langer Zeit – im September/Oktober 2013 – hatte ich noch ganze sechs Mitarbeiter! Laut Google halt. Damals dichtete mir Google in einem, nein sechs (!), Mailings (“Engage-Newsletter” nannten sich die Schreiben) zusätzlich zu den drei bereits genannten noch drei weitere Mitarbeiter an: Birgit Lohs (meine Schwägerin), Manuela Schalk und Iris Lampert.

Darauf, dass diese herbstlichen Mailings – oder Newsletter – auf ihrer Route von Wien nach Vorarlberg (ca. 650 km mit dem Auto) scheinbar auch Novosibirsk, Feuerland und die Seychellen passiert haben, gehe ich an dieser Stelle gar nicht näher ein. Wie ich überhaupt auf diesen Gedanken komme: Nun, die Mailings – oder Newsletter – sind mit 17. September 2013 datiert und bei mir eingelangt sind sie schlussendlich am 15. Oktober – aber immerhin noch im selben Jahr.

Erklärungsnot

Was das alles mit meiner eingangs erwähnten Erklärungsnot zu tun hat? Nun, die örtliche Gemeinde schickt mir jährlich eine Erinnerung, dass ich doch bitte meine Kommunalsteuererklärung abliefern solle. Was ich dann auch immer tue, indem ich eine sogenannte Nullermeldung retourniere, weil: Keine Angestellten – keine Kommunalsteuer. Wenn mir Google aber nun mehrere Mitarbeiter andichtet, komme ich in Erklärungsnot.

Hallo Datenschutz

Man kann ja miteinander kommunizieren, dachte ich mir – ist ja schließlich mein Job. Und schrieb einen eingeschriebenen Brief an den Geschäftsführer von Google ÖsterreichMarkus Kienberger, in dem ich ihn über die Sachlage (Ich: Einzelunternehmerin. Mitarbeiter: keine) informierte und ihn freundlich darauf hinwies, dass da wohl bei der Datenverarbeitung etwas schiefgelaufen sei. Des Weiteren forderte ich ihn höflich auf mir mitzuteilen, woher er meine bzw. die Daten meiner sechs vermeintlichen Mitarbeiter habe. Ich bat außerdem um umgehende Richtigstellung meiner Daten und vermerkte zu guter Letzt, dass dieses Schreiben ausdrücklich KEIN Widerspruch der Verwendung MEINER Daten für Werbezwecke ist, sondern ich lediglich einen korrekten Umgang damit erwarten würde.

Schreiben an Google

 

Die Reaktion seitens Herrn Kienberger war vielsagend – es gab nämlich schlichtweg keine. Na ja, oder vielleicht doch. Oder wie würden Sie es einordnen, wenn knappe vier Wochen später die nächsten Mailings eintrudeln – dann allerdings nicht mehr an sechs, sondern “nur” noch an drei imaginäre Mitarbeiter, nach wie vor jedoch nicht an mich selber …

Datenbanken und ihre Tücken

Grundsätzlich ist des Rätsels Lösung ja einfach: Die sechs bzw. drei mir angedichteten Mitarbeiter waren alle mal in der Firma meines Mannes angestellt, die bis vor ein paar Jahren an der selben Adresse residierte, bloß zwei Stockwerke tiefer. Und natürlich einen ganz anderen Firmennamen hatte, aber das nur nebenbei …

Offensichtlich ist in der Datenbank die Spalte mit den Ansprechpersonen verrutscht und in der Folge wurden diese Personen meiner Firma zugeordnet. Würde Herr Kienberger die Regeln der Kommunikation beherrschen und hätte Kontakt mit mir aufgenommen, hätte ich ihn auf dieses einfache Hoppala aufmerksam machen können. Ich gehe nämlich davon aus, dass das Verrutschen der Spalte mit den Kontaktpersonen weitere Kreise gezogen hat und sich nicht bloß auf meine Firma beschränkt.

Datenschutzrechtlich finde ich das ziemlich bedenklich – wer weiß, welche unserer Daten durch unabsichtliche Verschiebungen wer weiß wo landen … ich denke da an Gesundheitsakten, Versicherungen, Banken …
Andererseits überrascht das hinsichtlich Google wahrscheinlich ohnehin keinen von uns mehr wirklich, oder? Google “Allmächtig” is watching us und kennt uns und unsere Gewohnheiten mittlerweile ohnehin besser als wir selbst.

Kommunikation auf Augenhöhe

Dennoch finde ich sowohl die Tatsache, wie mit meinen und den Daten anderer umgegangen wird, als auch das (Nicht)Verhalten seitens Google bzw. dessen Geschäftsführer Markus Kienberger ärgerlich und respektlos. Kommunikation auf Augenhöhe? Eine Entschuldigung? Eine Reaktion auf meinen Brief? Vielleicht zumindest eine Erklärung? Fehlanzeige! Google mag wohl alle möglichen (und auch unmöglichen) Daten von uns Nutzern sammeln und gewinnbringend verwerten – das bedeutet aber noch lange nicht, dass Google im “richtigen” Leben was mit uns zu tun haben will …

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