What a (birth)day!

What a (birth)day!

Geburtstage gelten gemeinhin als etwas Schönes. Sind sie ja auch meistens. Auch meiner ließ sich diesmal gut an. Als ich morgens Richtung Schreibtisch watschelte, fand ich dort einen großen, mit reichlich Herzen verzierten und pinkfarbenem und lila Filzstift bekritzelten Zettel auf meinem geschlossenen Notebook. »Außer Betrieb! Das hier ist die arbeitsfreie Zone! Das gilt den ganzen Tag lang im ganzen Universum! Hab dich lieb, Sasa«, hieß es da. Sooooo süß, meine kleine Mittelgroße! Zudem wurde ich mit Kaffee und Buttercroissant belohnt und die Morgenhunderunde übernahmen ausnahmsweise Mann und Kind.

So weit, so gut. Dass ich am Vorabend mit Brummschädel ins Bett gegangen war und selbiger an meinem Geburtstagsmorgen immer noch zwischen meinen Schultern prangte und lautstark pochte, war noch das geringste Übel dieses Tages. Bis mittags versuchte ich, das hämmernde Etwas mit ätherischem Pfefferminzöl zu besänftigen, was mir jedoch immer nur kurzfristig Linderung verschaffte. Nach dem Mittagessen (ich hatte mir Fajitas gewünscht – ich liebe diese Sauerei!) trickste ich den Dickschädel schließlich mit einer Dosis Aspirin Complex aus und nach einer halben Stunde quittierte der Vorschlaghammer in meinem Kopf endlich seinen Dienst.

Während ich auf die erlösende Wirkung wartete, exakt um 12 Uhr 28, sprang mir etwas ins Auge – gottlob nur im übertragenen Sinne wohlgemerkt! Auf dem Kopf meiner Tochter bewegte sich etwas. Und das war keine Haluzination. Leider. »Das sind Läuse«, konstatierte meine Mutter, als ich das Etwas auf den weißen Couchtisch legte. Aha. Also doch. Letzte Woche hatte ich die Nachricht meiner Cousine (»Die Sophie hat Läuse, schau lieber bei der Saskia auch mal nach«) noch lapidar abgetan: »Nein, wir haben nix, hatten wir noch nie. Uns scheinen die Läuse nicht zu mögen.« Nun war es so weit: 44 Jahre hat es gedauert, bis ich erstmals mit dieser grauslichen Spezies und ihrer Brut Bekanntschaft machen durfte. Das Programm für die nächsten Stunden war schnell klar: Lausshampoo samt Nissenkamm aus der Apotheke holen, Köpfe ordentlich einschamponieren, einwirken lassen, gründlichst ausspülen und abschließend Strähne für Strähne mit dem Nissenkamm durchforsten, um auch die sich hartnäckig festklammernde Brut zu beseitigen. Aua! Am schlimmsten traf es das Kind – sie hat die längste Mähne –, am besten den Mann – er hat das kürzeste und … ähem … lichteste Haupthaar.

Zwischendurch und danach hieß es noch: Alles zusammenraffen, was auch nur im entferntesten mit unseren Köpfen in Berührung gekommen sein könnte, und in die Waschmaschine stopfen. Weil ich aber momentan nur einen Wäscheständer habe und Frischgewaschenes trotz aktueller Affenhitze zwar relativ schnell, aber doch nicht im Rekordtempo trocknet, türmen sich die Wäscheberge VOR der Waschmaschine – aber immerhin schon schön nach Farbe und Temperatur sortiert. Macht sich übrigens gut zwischen all den unausgeräumten Kisten, den noch auf ihren endgültigen Platz wartenden Utensilien und dem restlichen Chaos – wir sind nämlich kürzlich umgezogen.

Nachmittags wollte der Mann dann Glühbirne wechseln. Irgendwas ging schief, keine Ahnung was, jedenfalls waren eine Sekunde später 1.647 Splitter im Wohnzimmer verteilt – auf und unter den beiden Sofas, auf und unter dem Glastisch, unter dem schweren Couchtisch, in jeder Ecke und Ritze. Damit der Hund sich nur ja nicht seine Pfötchen verletzt (unter dem Glastisch ist einer seiner Lieblingsplätze) plädierte ich dafür, den klobigen Couchtisch und das rote Sofa ein wenig vorzuschieben, um mit dem Staubsauger besser hantieren zu können. Der Mann und meine Mutter nahmen das »vorSCHIEBEN« wörtlich, während ich – um den Parkettboden zu schonen – eigentlich »heben« meinte. Ich hob also den wuchtigen Couchtisch und legte langsam den Rückwärtsgang ein, Mann und Mutter hingegen schoben ungestüm vorwärts. Das Unglück war vorherzusehen, es ging alles blitzschnell, für eine mildernde Reaktion blieb allerdings keine Zeit mehr. Was soll ich sagen? Der Nagel meines linken großen Zehs ist schräg bis zur Hälfte des Nagelbetts eingerissen, alles blau und rot gefärbt. Nochmal AUA.

Wenn Sie glauben, das wäre alles gewesen an diesem Tag, kann ich nur sagen: Schon mal was von miesem Karma gehört? Abends, als die Tochter bereits schlief, nahm ich das hübsch verzierte Blatt von meinem Notebook und öffnete Letzteres, um meine Mails und Facebooknachrichten zu checken. Neben unzähligen Geburtstagswünschen (über die ich mich wirklich freute – welch Wohltat nach diesem Tag!) wartete am Ende eine Nachricht meines Anwalts. Nach der Devise »Heute ist’s eh schon wurscht« öffnete ich sein Schreiben. Sie dürfen jetzt exakt einmal raten, wie das Prozessergebnis von vor zwei Wochen lautet. Genau.

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