Weg.

Weg.

Das Kind ist weg. Der Mann bringt sie gerade zum Treffpunkt. Dann geht’s ab nach Salzburg. Erster Schulskikurs. Und ich sitze daheim und bin nicht ich selbst. Gefreut hab’ ich mich drauf. Auf fünf Tage ohne Kind. Ohne nervenaufreibende Diskussionen, dauernde Ermahnungen und wiederholte Aufforderungen, permanentes Hinterhersein, dieses oder jenes jetzt doch bitte eeeendlich zu erledigen. Nun ist das Kind gerade mal acht Minuten aus der Tür raus und ich … bin melancholisch. Nicht dass es das erste Mal für mich wäre, von ihr getrennt zu sein. Oft schon hat sie tagelang bei Oma oder Opa verbracht, samt Übernachtungen. Das hier ist aber etwas anderes. Es fühlt sich anders an. Neu. Unbekannt. Ungewiss. Diesmal weiß ich sie nicht in familiärem Rahmen geborgen. Diesmal ist es das Kollektiv. Die Klasse. Die Clique. Freunde. Abenteuer. Neue Erfahrungen. Eigene Erfahrungen. Mein Kind beginnt, sich von mir abzunabeln. Die jahrelange Symbiose löst sich auf, nach und nach, wie Fäden nach einer Operation, die muss man heutzutage auch nicht mehr ziehen.

Eigentlich ist das ein Wahnsinn mit den Kindern. Wenn sie kommen, stellen sie dein Leben komplett auf den Kopf. Total. Du bist plötzlich nicht mehr nur du selbst, du bist zwei. Denkst für zwei, fühlst für zwei. Nichts ist mehr, wie es einmal war. Früher. Im Leben davor, ohne Kind. Du gewöhnst dich schnell daran, weil ja diese Gefühle so überwältigend sind, so innig, so allumfassend, so bedingungslos. Da passt kein Blattl Papier dazwischen. Und dann, ein Jahrzehnt oder so später, stellen sie dein Leben wieder auf den Kopf, weil sie anfangen, eigene Wege zu gehen, eine eigene Meinung zu haben, ein eigenes Umfeld aufzubauen. Manchmal magst du sie am liebsten auf den Mond schießen, dennoch liebst du sie immer mehr als dich selbst, hast Schmetterlinge im Bauch, wenn du sie ein paar Stunden nicht gesehen hast und sie jeden Moment wieder durch die Tür kommen werden.

Sie kommen wie ein Hochgeschwindigkeitszug in dein Leben gerauscht, würfeln alles durcheinander. Und kaum hast du dich halbwegs an die neuen Gegebenheiten, an das Gefühlschaos, an die geänderten Prioritäten in deinem Leben gewöhnt, sind sie weg. Kappen die Nabelschnur. Lassen dich in deiner Symbiosenblase allein. Tja, das ist wohl das, was man LEBEN nennt.

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