Reportage Schönheitschirurgie

Reportage Schönheitschirurgie

Auch wenn es heutzutage genauso normal zu sein scheint, zum Beauty Doc zu gehen wie Brötchen vom Bäcker zu holen – Risiken und Nebenwirkungen gibt es dennoch. Aber: Wie erkennt man als Laie einen vertrauenswürdigen Arzt? Dr. med. univ. Martin Rhomberg stand mir Anfang 2012 für eine Reportage zum Thema „Experten in Sachen Schönheit“ Rede und Antwort.

Spieglein Spieglein an der Wand …

… wer ist die/der Schönste im ganzen Land? Brustvergrößerungen, Fettabsaugungen, Augenlidkorrekturen, Faltenunterspritzungen, Gewebsstraffungen, Facelifts – Möglichkeiten, der Natur auf die Sprünge zu helfen, gibt es viele. Doch wie und wo findet man einen qualifizierten Arzt?

Die Götter in Weiß sind auch nur Menschen und weil der Topf jener, die sich unters Messer legen wollen, um ihr Äußeres auf Vordermann bringen zu lassen, reichlich gefüllt ist und noch dazu finanziell lukrativ erscheint, wollen gerne viele daraus naschen. Leider auch jene, die nicht die nötige Qualifikation für plastische Operationen mitbringen. Derzeit gibt es in Österreich noch kein Gesetz, das die Befugnis, solche Eingriffe durchführen zu dürfen, an eine spezifische Ausbildung und somit an die erforderliche Qualifikation koppelt. Jeder Arzt, der sich eine ästhetische Operation zutraut, darf diese auch ausführen. Fatal – man würde andererseits doch auch nicht zum Plastischen Chirurgen gehen, um eine Wurzelbehandlung am Zahn vornehmen zu lassen.

Schuster, bleib bei deinem Leisten

„Das Schlimme daran ist, dass durch einzelne schwarze Schafe unsere ganze Branche teilweise in Verruf geraten ist.“, bedauert Dr. med. univ. Martin Rhomberg, Facharzt für Plastische, Ästhetische und Rekonstruktive Chirurgie in Dornbirn. „Botox-Partys zu veranstalten, ästhetische Eingriffe an Minderjährigen vorzunehmen und überproportional große Brustimplantate zu verwenden ist ethisch nicht vertretbar!“, macht Rhomberg seinen Standpunkt deutlich. Das wichtigste Indiz, tatsächlich einem Experten seines Fachs gegenüber zu stehen, ist laut Rhomberg die Bezeichnung „Facharzt für Plastische, Ästhetische und Rekonstruktive Chirurgie“ (oder früher nur „Facharzt für Plastische Chirurgie“).

Spreu vom Weizen trennen

Jeder Facharzt für Plastische Chirurgie muss eine sechsjährige Ausbildung an einer vom Gesundheitsministerium definierten und zugelassenen Ausbildungsstätte absolvieren. Eine psychologische Schulung stellt einen Teil der Ausbildung dar. Das ist wichtig, weil einer Operation immer ein umfassendes Gespräch zwischen Arzt und Patient vorausgehen muss. Dabei werden vorangegangene Erkrankungen und Operationen erfasst sowie die Motivation des Patienten, warum der Eingriff durchgeführt werden soll, gründlich hinterfragt. Die Erwartungen an das Ergebnis der Operation werden ebenso beleuchtet. „Ein seriöser Arzt gibt seine realistische Einschätzung dazu ab und klärt über sämtliche möglichen Komplikationen und postoperativen Beschwerden auf. Schönfärberei oder Verharmlosung sind hier fehl am Platz – sonst sind am Ende beide Seiten unzufrieden.“, erläutert Rhomberg.

Risiken und Nebenwirkungen

Nachblutungen stellen laut Rhomberg die am häufigsten auftretende postoperative Komplikation dar, kommen aber nur bei rund zwei Prozent aller ambulant und stationär durchgeführten Operationen vor. „Wundheilungsstörungen sind ein weiterer Faktor und treten vor allem bei Rauchern, Zuckerkranken sowie korpulenteren Patienten auf.“, fasst Rhomberg auch gleich die generellen Risikogruppen zusammen. Nach Facelifts könne es vereinzelt zu Lymphschwellungen kommen.

Ethik und Moral

Die Österreichische Gesellschaft für Plastische, Ästhetische und Rekonstruktive Chirurgie (ÖGPÄRC) ist die offizielle standespolitische Vertretung der Plastischen Chirurgen in Österreich und dient als kompetente Anlaufstelle für Interessierte, aber auch für verunsicherte Patienten. Alle Mitglieder der Gesellschaft haben eine spezielle Ausbildung erfolgreich abgeschlossen – die Mitgliedschaft des individuellen Arztes dient Patienten damit als Garant für hochqualifizierte ärztliche Betreuung und ist als Markenzeichen zu verstehen.

Wie der Website der Gesellschaft zu entnehmen ist, begrüßt die ÖGPÄRC den Vorstoß von Gesundheitsminister Alois Stöger, ästhetische Operationen künftig per Gesetz zu regeln. Prim. Dr. med. Thomas Hintringer, Präsident der ÖGPÄRC und Vorstand der Abteilung für Plastische, Ästhetische und Rekonstruktive Chirurgie am Krankenhaus der Barmherzigen Schwestern in Linz, sieht darin die Chance auf eine Qualitätssteigerung im Bereich der sogenannten Schönheitsoperationen. Seitens des Gesundheitsministeriums heißt es, dass es „das Ziel sei, die Regelungen für Schönheitsoperationen bis Sommer fertigzustellen.“

Seit Oktober 2011 ist der von der ÖGPÄRC ins Leben gerufene Ethik-Kodex, der für sämtliche Mitglieder der Gesellschaft verpflichtend ist, in Kraft. Dieser bringt ganz deutlich die Grundhaltung der ÖGPÄRC auf den Punkt und nimmt etliche Punkte des geplanten Gesetzes bereits vorweg. Hintringer: „Für die ÖGPÄRC stehen ganz klar die Sicherheit der Patienten, die Qualität der medizinischen Leistung und der Schutz von Minderjährigen im Vordergrund.“

Brustimplantate

Mit der Einführung des Implantatregisters im Jahr 1996 hat Österreich eine Vorreiterrolle eingenommen. Das Register dient der Qualitätskontrolle von Brustimplantaten: Durch eine zentrale Registrierung können Fehlentwicklungen bei neuen Implantaten oder fehlerhafte Chargen am schnellsten erkannt werden. Die Daten der Patientin bleiben dabei immer nur beim behandelnden Chirurgen, welcher selbst unter einer Teilnehmernummer geführt wird. Zusätzlich kann jede Patientin auf der Ausstellung eines individuellen Registerpasses, in dem sowohl der Hersteller der Implantate als auch der Eingriff selbst dokumentiert sind, bestehen. Beruhigend in Zeiten des Skandals rund um mangelhafte Brustimplantate des französischen Herstellers PIP.

Billiger im Ausland?

Etliche Operationswillige zieht es ins nahe oder auch ferne Ausland, um den oft lange ersehnten Eingriff vornehmen zu lassen. Die Hauptursache für eine solche Entscheidung liegt meist im weitaus günstigeren Preis. Doch Rhomberg warnt: „Oft ist bei diesen günstigen Angeboten nur der Preis für den Operateur enthalten. Die Kosten für Anästhesist, OP-Raum samt Personal, Nachuntersuchungen und eventuell Implantate und Übernachtungen kommen dann überraschenderweise noch extra hinzu.“ Derartige Vorgehensweisen seien allerdings nicht nur im Ausland anzutreffen, sondern durchaus auch in Österreich. Darum: Lieber einmal öfter nachfragen – ein seriöser Facharzt für Plastische Chirurgie hat damit ganz sicher kein Problem, sondern gibt Ihnen bereitwillig und detailliert Auskunft.

Die Kosten einer ästhetischen Operation hängen generell stark von der Art des Eingriffes ab. Bei einer ambulant durchgeführten Oberlidkorrektur des Auges – die übrigens auf der Wunschliste der Operationen eine Topplatzierung einnimmt – liegt der Pauschalpreis bei in etwa 2 000 Euro. Eine Brustvergrößerung hingegen kommt pauschal auf ungefähr 6 000 Euro.

Spuren der Zeit 

Irgendwann beginnt an jedem unweigerlich der Zahn der Zeit zu nagen – bei manchen früher, bei anderen später. Uns zurücklehnen und selbst aus der Verantwortung entlassen sollten wir dennoch nicht. Gesunde, ausgewogene Ernährung, reichlich Flüssigkeit (täglich zwei bis drei Liter Wasser oder ungesüßten Tee), regelmäßige Bewegung an der frischen Luft, ausreichend Schlaf und emotionales Wohlbefinden gelten nach wie vor als Grundlagen für ein strahlendes Äußeres. Ganz ohne Skalpell, Spritzen, Cremen oder Ampullen. Unterstützend wirkt die an die jeweilige Situation angepasste richtige Beleuchtung. Kerzenschein zum Beispiel hilft, sämtliche Konturen optimal erscheinen zu lassen. Und zur Not bleibt immer noch, sich einen Schneewittchen-Spiegel zu kaufen …

Darauf sollten Sie achten, wenn Sie einen ästhetischen Eingriff durchführen lassen wollen:

  • Ein fachlich qualifizierter, seriöser Arzt platziert sein Diplom gut sichtbar in seiner Praxis.
  • Auf dem Diplom ist die Bezeichnung „Facharzt für Plastische, Ästhetische und Rekonstruktive Chirurgie“ angegeben.
  • Ein Facharzt für Plastische Chirurgie führt eine ausführliche Anamnese durch, bei der vorangegangene Krankheiten und Operationen vermerkt werden.
  • Ihre psychische Befindlichkeit steht für einen seriösen Chirurgen im Vordergrund. Er hinterfragt genau, warum Sie den Eingriff vornehmen lassen wollen.
  • Ein vertrauenswürdiger Arzt wird nie versuchen, Sie zeitlich unter Druck zu setzen oder zu etwas zu überreden.
  • Er klärt Sie eingehend über alle möglichen Komplikationen und postoperativen Risiken auf und beschönigt nichts.
  • Wenn Sie sich für Brustimplantate entscheiden, bestehen Sie auf der Ausstellung eines Registerpasses. Darin sind der Hersteller der verwendeten Implantate sowie der Eingriff selbst dokumentiert.
  • Abhängig von der Art des Eingriffs führt ein kompetenter, verantwortungsvoller Arzt mehrere Nachuntersuchungen innerhalb einiger Monate durch.
  • Klären Sie unbedingt vorher ab, welche Komponenten der vereinbarte Preis abdeckt. Ein Pauschalpreis beinhaltet üblicherweise die Kosten für Operateur, Anästhesist, OP-Raum und Personal, Nachuntersuchungen sowie gegebenenfalls Implantate und Übernachtungen.
  • Schauen Sie auf der Website der ÖGPÄRC nach, ob der von Ihnen gewählte Arzt Mitglied ist.

Text: Susanne Lohs

Weiterführende Informationen

Österreichische Gesellschaft für Plastische, Ästhetische und Rekonstruktive Chirurgie (ÖGPÄRC)
Website: www.plastischechirurgie.org
Patienten-Hotline: 0820 820 600
www.aerztekammer.at
www.selbsthilfe.at
www.krebshilfe.at

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