(Glas)Klare Aussichten

Reportage „(Glas)Klare Aussichten“

Ohne zu googlen: Wissen Sie, woraus Glas hauptsächlich besteht? Ich wusste es nicht. Bis ich für eine Reportage zu recherchieren begann. Glas besteht hauptsächlich aus Quarzsand. Aber nicht nur das fand ich heraus, sondern auch, dass Glas so viel mehr ist und kann, als bloß für Fensterscheiben herzuhalten …

(Glas)klare Aussichten

Hauptsächlich aus Quarzsand bestehend, für den Einsatz in vielfältigsten Bereichen geeignet, dennoch lange Zeit als eher langweiliger Werkstoff betrachtet, erlebt Glas als Baustoff seit einigen Jahren einen wahren Aufschwung.

Wohlfühlfaktor

Experten sehen die zunehmende Beliebtheit von Glas vor allem darin begründet, dass der lichtdurchlässige Baustoff maßgeblich zur Steigerung des Wohlfühlfaktors beiträgt. Natürliches Licht und Sonnenschein wirken sich erwiesenermaßen positiv auf die menschliche Psyche aus. Glas öffnet den Blick nach außen in die Natur, sorgt für Transparenz und Helligkeit, lässt die räumlichen Grenzen im gewerblichen Bereich schwinden, erhöht das Gefühl der Zusammengehörigkeit in Bürogebäuden und bietet andererseits uneinsehbare Privatsphäre und Rückzugsmöglichkeiten, wo dies gewünscht ist – etwa durch Milchglas, dimmbares Glas oder Fotodruck auf Glas.

Sicher ist sicher

Spielt Glas eine tragende Rolle – wie bei Treppen-, Boden- und Geländerkonstruktionen –, hat der Sicherheitsaspekt oberste Priorität. Obwohl Glas aufgrund neuester Entwicklungen heutzutage in immer dünneren Ausführungen produziert werden kann, sind beispielsweise Geländer aus schlag- und stoßfesten Verbundsicherheitsgläsern eine zuverlässige Absturzsicherung. Auch das darauf Herumtrampeln hält Glas dank durchsichtiger, zwischen die Glasplatten geschmolzener Plastikschichten aus – wie unter anderem die obligatorischen gläsernen Stufen in den Apple Stores beweisen. Selbst am Grand Canyon setzen die Architekten auf den stabilen Baustoff – allerdings sollte man schwindelfrei sein, wenn man den Ausblick von der durchsichtigen Besucherbrücke angstfrei genießen will. Glas ist so stabil, dass es Flugzeuge vor Hagelschlag schützt und, wenn als Hausdach genutzt, die Last von Schneemassen aushält. Glas zählt mittlerweile zu den stabilsten Werkstoffen überhaupt.

Sparefroh

Früher bedeuteten große Glasfronten, dass es drinnen im Winter kalt und im Sommer heiß war. Gott sei Dank hat sich das in Zeiten rapide steigender Energiepreise drastisch geändert. Modernes Isolierglas kann nicht nur Lärm, sondern auch Wärme dämmen: Die Wärme wird in der kalten Jahreszeit im Raum und die Hitze während der Sommermonate draußen gehalten, indem das Glas die Wärmestrahlung nach innen und außen reflektiert. Dadurch lassen sich in Hitzezeiten wiederum Kosten für Klimatisierungsgeräte einsparen.

Es gibt Hersteller, deren Fenster Gebäude im Winter aktiv heizen. Die Scheiben sind mit einer hauchdünnen, unsichtbaren Silberschicht überzogen. Sobald ein schwacher Strom von Elektronen hindurchfließt, stoßen diese an die Metallatome und regen sie zum Schwingen an, was wiederum Wärme erzeugt. Laut Lothar Wondraczek, Glasforscher an der Universität Erlangen-Nürnberg, ist die gläserne Heizung gut genug, um moderne Wintergärten ohne zusätzliche Heizkörper auskommen zu lassen.

Sonnenschutz

Ein blendfreier Ausblick und stets optimale Lichtverhältnisse sind weitere Anforderungen, die Glas zu erfüllen hat. Separat angebrachter Blendschutz ist oft wartungsintensiv und behindert die freie Durchsicht. Elektrochromes Sonnenschutzglas hingegen ist dimmbar (wie selbsttönende Sonnenbrillen) und ermöglicht das Variieren der Lichtdurchlässigkeit je nach Sonneneinstrahlung.

Wissenschafter des Fraunhofer-Instituts für Angewandte Polymerforschung (IAP) haben Glasscheiben entwickelt, die ihre Lichtdurchlässigkeit verändern können und bei Bedarf die Energie wie Milchglas abhalten. Erhitzt sich die zwischen zwei Scheiben befindliche Harzschicht auf ungefähr 40 Grad, verändert sich ihre Struktur und die Sandwichgläser schalten von „durchsichtig“ auf „getrübt“.

Nie wieder putzen?

„Der Begriff der selbstreinigenden Gläser ist etwas verwirrend, denn ganz kann man sich das Putzen damit nicht ersparen. Allerdings werden je nach Produkt die Reinigungsintervalle erheblich verlängert und das Glas lässt sich leichter putzen.“, bringt Ing. Bernhard Feigl, gemeinsam mit seinem Bruder Martin Feigl geschäftsführender Gesellschafter der in Bregenz ansässigen Glas Marte GmbH, die Tatsachen auf den Punkt. „Wichtig ist bei diesen Fabrikaten, dass Regen an die beschichtete Fensterseite herankommen kann.“, führt Feigl weiter aus. Denn nur so könne der zersetzte Schmutz weggespült werden.

Auch für den Innenbereich – etwa für Duschen – gibt es Glas, das den Reinigungsaufwand in Grenzen hält: Bei dessen Herstellungsverfahren wird die Glasoberfläche dauerhaft versiegelt und sorgt so dafür, dass Kalkflecken einfach abzuwischen sind.

Zukunftsaussichten

„Photovoltaik lebt ausschließlich von der Förderung. Dieses Produkt ist gestorben, sobald der Staat nicht mehr in der Lage ist, diese Förderungen zu bezahlen.“, äußern Martin und Bernhard Feigl einstimmig ihre Skepsis gegenüber der Alternative zu herkömmlicher Energieerzeugung. Die Anschaffungskosten seien zu hoch, ohne Förderung könne sich das niemand leisten. Nicht gerade rosige Aussichten in Zeiten des viele Existenzen bedrohenden Sparpaketes.

Großes Zukunftspotenzial räumen sie hingegen der Warmwasserbereitung in hinter Glas geführten Metallrohren ein. Derlei Warmwasserpaneele sind in Vorarlberg bereits sehr weit verbreitet, viel mehr als Photovoltaikanlagen, und werden heutzutage schon bei jeder neuen Wohnhausanlage angebracht. Das klingt vielleicht etwas unspektakulär, weist aber laut Martin Feigl im Vergleich zu Photovoltaik eine weit höhere Energieeffizienz auf.

Einst und jetzt

Der ehemals langweilige Werkstoff Glas wird mit Hilfe unterschiedlicher Technologien zunehmend intelligent: Er reagiert auf Berührungen (Smartphones, Tablet-PC’s), färbt sich bei Bedarf wie eine Sonnenbrille und trägt zur Energieerzeugung bei. Wurden einst Häuser und Brücken von Stahl und Beton getragen, übernimmt Glas zunehmend deren Funktion.

Gleichgültig, welcher Anspruch erfüllt werden soll: Erste Anlaufstelle für Bau- und Renovierungswillige ist immer ein Architekt – er kennt sich mit Sicherheitsnormen aus, weiß die entsprechenden Zertifikate der Anbieter einzuordnen und versteht sich darauf, die Wünsche der Kunden mit den Realisierungsmöglichkeiten der Glasanbieter in Einklang zu bringen – auf dass Sie glasklare Sicht genießen können!

Text: Susanne Lohs

Comments are closed.