Mama, was arbeitest du eigentlich?

Mama, was arbeitest du eigentlich?

“Also meine Mama hat ein Bett in ihrem Büro stehen”, das fiel meiner Tochter als Erstes ein – damals, vor zwei Jahren, als im Kindergarten das Thema der elterlichen Berufe auf der Agenda stand. Um etwaige Missverständnisse auszuräumen: Weder bin ich Psychotherapeutin, die für ihre Patienten eine Liege zur Verfügung hat, noch bin ich im horizontalen Gewerbe tätig, noch schlafe ich den ganzen Tag. Tatsache ist: Ich habe ein Home Office und ebendieses ist das ehemalige Kinderzimmer meines Stiefsohnes – alles klar?

Beitrag zu Wibke Ladwig’s Blogparade

Wibke Ladwig hat zu einer Blogparade aufgerufen: In ihrem Beitrag “Und was machen Sie so beruflich?” fragt sie, wie andere erklären, was sie beruflich so machen. Weil sich in den letzten Jahren – unter anderem aufgrund von Social Media – so viele neue, nicht in einem Begriff darstellbare Berufsbilder etabliert haben, ist es tatsächlich manchmal schwierig, anderen mit wenigen Worten verständlich zu machen, was man denn beruflich so macht. Auch für mich. Ich fühl mich dann manchmal wie Mira Lobe’s “Das kleine Ich bin Ich”: Denn ich bin, ich weiß nicht, wer, dreh mich hin und dreh mich her, dreh mich her und dreh mich hin, möchte wissen, wer ich bin.

Deshalb entschied ich, Frau Ladwig’s Blogparade sei die ideale Gelegenheit, mal in mich zu gehen und auf den Punkt zu bringen, womit ich meinen Lebensunterhalt verdiene. Aber: Geht das denn so einfach?

Unterschiedliche Gegenüber

Auf meinem Zertifikat der Deutschen Presseakademie steht “Kommunikationsmanagerin”, jenes der PZOK (Prüfungs- und Zertifizierungsorganisation der deutschen Kommunikationswirtschaft) berechtigt mich, die Berufsbezeichnung “PR-Beraterin / PR-Referentin” zu führen.
Leuten aus der Branche oder Menschen, die in Unternehmen mit eigenen Marketing-/Werbe-/PR-Abteilungen beschäftigt sind, sagt das was. Die nicken ob einer solchen kurzen Ansage sofort wissend.
Andere hingegen haben diese Berufsbezeichnung entweder überhaupt noch nie gehört oder haben eine gänzlich falsche Vorstellung oder haben ihre liebe Not, sich etwas Konkretes, Greifbares darunter vorzustellen. So meinte beispielsweise mal eine Frau aus meinem Pilates-Kurs sinngemäß in etwa “Ah ja, toll, ich kenne einige, die jetzt auf Lebensberatung umsatteln. Das ist schon schön, wenn man Menschen so helfen kann, gell?”. Knapp daneben ist auch vorbei – wobei: sooo unrealistisch ist diese Vorstellung meines Jobs auch wieder nicht, denn ab und an hat es schon was mit Lebensberatung zu tun und auf lange Sicht betrachtet hilft man ja auch wirklich Menschen … 😉

Was denn nun genau?

Solchen Nachfragern erkläre ich meine Tätigkeit(en) ebenso kurz, prägnant und verständlich, wie ich’s meiner Tochter beschrieben habe:

“Ich helfe Unternehmen dabei, sich besser zu vermarkten – das bedeutet, ich versuche Mittel und Wege zu finden, dass mehr Menschen (Kunden) mehr kaufen und die Firmen dadurch schlussendlich mehr Geld verdienen.”

Meine knapp 8-Jährige nickte wissend, runzelte aber dennoch die Stirn: “Aha. Und wie machst du das?” Sie ist eine ewige Nachfragerin, will immer alles ganz genau wissen …

“Wie bist du zu einem eingefleischten Prinzessin Lillifee Fan geworden und warum stehst du neuerdings auf Greg’s Tagebücher?” frage ich sie dann im Gegenzug und während unseres Gesprächs wird ihr klar, wie die Maschinerie funktionieren könnte: Durch Lesen interessanter Beiträge, animierende Gestaltung des Produktes selber, Merchandising, Weiterempfehlung von Freunden, Werbung auf verschiedenen Kanälen, Social Media, Aktivitäten am Point of Sale, spannend und unterhaltsam gestaltete Websites und noch vieles mehr wird man Fan einer Marke und/oder eines Unternehmens, nimmt begeistert deren Dienstleistungen und Services in Anspruch und gibt folglich Geld dafür aus.

Ich bin Viele

Dazu bedarf es praktikabler, zielgerichteter Konzepte und Strategien, die noch dazu effizient umsetzbar sind. Womit wir beim ersten Bereich dessen sind, was meinen Arbeitsalltag ausmacht: Ich habe Kunden, die mich mit dem “Gesamtpaket” beauftragen und die ich laufend in allen Marketing-/Kommunikationsbelangen betreue, inklusive praktischer Umsetzung.

Dann gibt es welche, die mich punktuell einsetzen – wenn sie beispielsweise Texte für eine neue Firmenbroschüre, ihre Website, einen Willkommensbrief oder eine Einladung, ein Mailing, ihre Presse-Unterlagen, ein Advertorial oder Standarddokumente benötigen.

Manche Kunden nehmen meine Leistung für bestimmte Projekte in Anspruch – für solche schreibe ich regelmäßig Newsletter, betreue deren Social Media Kanäle redaktionell, für einen Kunden im touristischen Bereich verfasse ich Blogbeiträge, für einen aus dem Medizinsektor überarbeite ich Blogbeiträge, um sozusagen seine medizinisch-wissenschaftliche Sprache für die angepeilte Zielgruppe auch tatsächlich verständlich zu machen.

Seit etwas über einem Jahr arbeite ich zusätzlich als Freie Redakteurin für ein regionales Lifestyle-Magazin, das alle zwei Wochen erscheint. Als solche schreibe ich Reportagen und Coverstorys sowie PR-Texte/Advertorials für Anzeigenkunden.

Außerdem kann ich mich seit Mai 2012 auch als Bloggerin bezeichnen – damals ging mein Blog Marketing aus Kundensicht” an den Start. Als mein Mann mich seinerzeit fragte “Wozu machst du das? Verdienst du damit Geld?” war ich im ersten Moment ein wenig vor den Kopf gestoßen, versuchte dann aber, ihm die Sinnhaftigkeit unter dem Aspekt der “Umwegrentabilität” nahezubringen. Was auch klappte.
Meine Beweggründe für mein Blog waren und sind, dass ich das Private mit dem Beruflichen nutzbringend zu kombinieren versuche: Im Grunde genommen bin ich ein Mensch/Bürger/Kunde, der tagtäglich Produkte kauft und Dienstleistungen in Anspruch nimmt. Bloß gelingt mir dieses Kaufen und in-Anspruch-nehmen schon lange nicht mehr vorbehaltlos und neutral – ich beobachte und hinterfrage alles immer irgendwie aus einer weiteren Dimension: Wie geht man mit mir als Kunde um? Wie empfinde ich dabei – stellt mich das zufrieden, bin ich verärgert oder macht mich das gar so wütend, dass ich das in meinem Freundes- und Bekanntenkreis weitererzähle (negative Mundpropaganda)? Was konkret stört mich und warum? Oder was finde ich besonders toll an einem Service, einer Kundenhotline etc.? Was könnte man anders machen? Und so weiter.
Hintergedanke war und ist, dass Unternehmen oft immens viel Geld in Marketing & Werbung investieren ohne wirklich zu wissen, wie all das tatsächlich auf Kundenseite ankommt, ob die von ihnen gesetzten Aktivitäten Hand in Hand gehen oder ob der Kunde Unstimmigkeiten wahrnimmt, die ihn im Endeffekt vom Kauf abhalten.
Es ist also immer auch mein “Marketinghirn” im “On”-Modus und diese meine alltäglichen Erlebnisse verarbeite ich in der Folge zu Blogbeiträgen. Und ja, über Umwege bin ich durch diese Tätigkeit auch schon an Kunden und Aufträge gekommen. Nicht zuletzt stellt die Bloggerei sicher, dass ich mich schreibtechnisch fit halte – auch wenn kundenseitig mal weniger zu tun sein sollte. Ein Golfer beispielsweise muss auch permanent trainieren – nicht nur, wenn Schönwetter ist …

Kürzlich hatte ich es mit einem Auftrag zu tun, dessen Inhalt für mich eine Premiere darstellte: Ein Nachwuchsmodel kam auf mich zu und wollte, dass ich sie für eine Miss-Wahl coache. “Ähm, du weißt aber schon, dass ich eigentlich PR-BERATERIN bin …?!”, war meine erste Reaktion. “Ja, eben. Du kannst so gut schreiben und reden und mit Leuten umgehen, dass du mir sicher helfen kannst, mich auf die Fragen der Moderatoren vorzubereiten” war die Antwort der potenziellen Miss. Na gut, dachte ich, wenn sie schon so viel Hoffnung und Vertrauen in mich setzt, übernehme ich diesen Job gerne. Ich war extrem positiv überrascht, wie gut vorbereitet die 17-Jährige zu unserem Termin erschien – sie hatte viele konkrete Fragen, auf die ich ihr hilfreiche Antworten geben konnte. Zusätzlich trainierten wir die Klaviatur der Körpersprache – Mimik, Gestik, Tonfall, Augenkontakt, Körperhaltung. Ich überlegte mir mögliche Moderatoren-Fragen, auf die wir gemeinsam einzigartige Antworten ausarbeiteten. Ich versuchte ihr nützliche Tipps zu geben, wie sie sich vom Rest der “Missen” abheben konnte, ohne abgehoben zu wirken. Nach zwei Stunden waren wir durch und sie verließ mich so voller Enthusiasmus, dass sich in mir selbst ein Gefühl unbändiger Freude ausbreitete. Bin ich jetzt also auch Coach?

Mein Mann, unsere Tochter und ich kommen aufgrund einer der unternehmerischen Tätigkeiten, die ich gemeinsam mit meinem Herzallerliebsten ausübe, ein bisschen in der Welt herum. Außerdem essen wir alle drei gerne gut. Das führt uns in zahlreiche Hotels und Restaurants, was uns erfreulicherweise nicht nur Geld kostet, sondern auch Aufträge einbringt. Wir wurden schon mehrfach gebeten, Hotels und Restaurants auf Herz und Nieren zu checken – von den Pre Sale Erfahrungen (erste Kontaktaufnahme, Website, Reservierung …) über den Point of Sale (Qualität, Service, Sauberkeit etc. vor Ort) bis zu den After Sale Aktivitäten (Mailings, Einladungen, Gästezeitschriften usw.) – und darauffolgend Empfehlungen und Verbesserungsvorschläge abzugeben. Was genau machen wir da eigentlich? Darf ich mich nun als Mystery Shopper bezeichnen oder eher als Berater / Consultant?

Und last but not least ist es mein großer Traum, irgendwann einmal ein eigenes Buch zu veröffentlichen – mit Erlebnissen aus meinem Alltag, kolumnenmäßig und auf humoristische Art mit einem großen Augenzwinkern aufbereitet. Damit wäre ich dann auch Autorin.

Da ich ein sogenanntes EPU (Ein-Personen-Unternehmen) bin, darf ich mich zusätzlich natürlich auch noch Assistentin, Sekretärin, Buchhalterin, Verkäuferin und Chefin nennen – wobei meine Tochter mir Letzteres entschieden abspricht: “Du bist keine Chefin, du arbeitest ja allein. Der Papa ist schon ein Chef, der hat ja Mitarbeiter.” Na gut, wenn das so ist …

Spaß und Freude am Tun

Eines haben all meine Tätigkeiten gemein: Sie machen mir außerordentlich viel Spaß und der Umgang mit den Menschen, die mir dabei begegnen, bereitet mir unglaubliche Freude! Dank meiner Kunden, die aus den unterschiedlichsten Branchen kommen, bin ich mit einer extremen Vielfalt konfrontiert – diese Vielfalt sorgt dafür, dass ich immer voller Enthusiasmus im (Dauer-)Einsatz bin. Das wiederum schätzen meine Kunden sehr – und dass ich mit Herz UND Hirn bei der Sache bin, vernetzt denke und über den jeweiligen Tellerrand hinausschaue. Den sprichwörtlichen “gsunden Menschenverstand” gibt’s selbstverständlich gratis dazu. Da spielt es überhaupt keine Rolle, dass sich mein Tätigkeitsprofil nicht in eine simple Bezeichnung pressen lässt.

ICH BIN ICH

Wer braucht schon eine einfache Jobbezeichnung? Schließlich zählt einzig und allein der Mensch, der den jeweiligen Job ausführt. Da ich laut meiner Tochter ja keine Chefin bin, wünsche ich mir manchmal aber eine ebensolche – und die sollte mir dann befehlen: “Leg dich auf dein Büro-Bett, entspann dich und mach ein kleines Nickerchen!” Dabei könnte ich dann vor mich hin träumen, weiter über meine korrekte Jobbetitelung grübeln und schlussendlich mit der Erkenntnis erwachen: “So, jetzt weiß ich, wer ich bin! Kennt ihr mich? ICH BIN ICH!”

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