Interview mit Martin Schmid

Interview mit Martin Schmid

Als sehr unterhaltsam empfand ich das Gespräch mit Martin Schmid, Geschäftsführer der Montfort Kunststofftechnik GmbH, das ich für wirtschaftszeit.at geführt habe. Warum? Weil er ein wenig (selbst)ironisch ist und über seine trocken-humorigen Sager hinweggeht, als wäre nichts gewesen, während ich mich vor Lachen zerkugeln könnt‘. Das Alter seiner Töchter gibt er so an: „Meine Mädls sind 7 und 8 … und seit gefühlten sieben Jahren in der Pubertät.“ Meinen Einschub „Ich will Sie nicht entmutigen, aber ich hab eine 12-Jährige und „das Richtige“ kommt erst noch …“ quittiert er schlagfertig mit: „Man hat mich schon vorgewarnt: Besser wird’s nimma. Nur anders.“ In diesem Sinne: Gute Unterhaltung!

Woher kommt das Geld und wie funktioniert das?

Genau diese Fragen waren es, die Martin Schmid, Geschäftsführer der Montfort Kunststofftechnik GmbH, brennend interessierten, nachdem Ausbildung und Berufseinstieg voll der Technik gewidmet waren. 

Martin Schmid ist einer, der verändern möchte, etwas bewegen will, einer der gerne Verantwortung übernimmt – mit allen Konsequenzen. Wichtig ist ihm außerdem, dass er etwas produzieren kann, weil »nur Berater, dicker Bauch, grauer Bart – das ist nicht meins«. Solche (selbst)ironischen Sager kommen während unseres Gesprächs immer wieder, was den zweifachen Familienvater übrigens unheimlich sympathisch macht. »Ich kann alles, aber nix ordentlich«, bringt er beispielsweise seine Selbsteinschätzung auf den Punkt. Deshalb ging mit 31 ein Traum für ihn in Erfüllung, als er zum Geschäftsführer der Montfort Kunststofftechnik GmbH bestellt wurde. »Geschäftsführer werden ist das, was ich immer wollte. Als Geschäftsführer musst du dich überall auskennen, hast aber für jeden Bereich deine Spezialisten«, beschreibt Schmid seine Idee. Während er anfangs noch dachte: »Plastik? Das ist doch keine Technik!«, streut er dem Werkstoff heute Rosen: »Kunststoff ist ein Material, mit dem man unglaublich viel machen kann. Es ist viel Technik dran und braucht jede Menge Knowhow.«

Herr Schmid, was bitte kann ich mir unter einem »Kunststoffspritzgussteil«, wie Ihre Firma es produziert, vorstellen?

Der Markt und die Anwendungen sind unendlich groß: zum Beispiel sind das die Kappe Ihrer Spülmittelflasche, Ihre Handyschale oder der Rahmen Ihres Tablets, die Tastatur und so weiter. Die Technologie dahinter erkläre ich immer mit dem Vorgang, mit dem meine Oma Osterlämmle gebacken hat: Es braucht eine Form, in die man den flüssigen »Teig« hineinleert. Dann muss man die Form ins Backrohr schieben, damit’s hart wird, bei uns musst du nur die Form kühlen, dann erstarrt das Ganze. Wenn ich die Form öffne, kommt genau das Negativ raus von dem, was in der Form war. Das ist es im Prinzip.

Ihr Firmenslogan ist »Plastic Passion« – was sind die Leidenschaften des privaten Martin Schmid?

Meine Frau und die Mädchen daheim. Meine Familie ist mir sehr viel wert, wir verbringen viel Zeit miteinander. Ich bin zwar als »selbst« und »ständig« aktiver Mensch immer in der Firma. Aber wir haben gewisse Zeiten, die gehören der Familie: Das morgendliche Frühstück machen wir gemeinsam, fünf Mal die Woche. Den Rest vom Tag seh ich die Familie nicht, ich komm erst spät am Abend heim. Am Wochenende bin ich für die Familie da, die Zeit gehört ausschließlich uns. So schaffen wir’s, trotz viel Arbeit ein Familienleben hinzukriegen. Was allerdings darunter leidet: Ich wäre theoretisch ein leidenschaftlicher Radfahrer und Sportler, aber die Zeit fehlt … die kommt hoffentlich bald jetzt wieder, aber momentan ist es nicht so.

Wird am Wochenende daheim dann gechillt oder unternehmen Sie als Familie etwas?

Mit Chillen ist bei den Mädchen nix los. Es ist die klassische Doppelbelastung, die wir Männer haben: Du bist die ganze Woche in der Arbeit, dann kommst du heim und es heißt »Zum Glück bist’ daheim – DEINE Kinder!« (lacht). Aber das passt schon, ich sehe das positiv. Im Winter waren wir immer skifahren, die Kinder machen das gern. Jetzt plantschen wir halt oder die Kinder gehen reiten. Wir sind schon aktiv.

Sie sind geschäftlich viel unterwegs – haben Sie ein Lieblingsland oder eine Lieblingsstadt?

Nein. Da kann ich mich nicht entscheiden. Mein Lieblingsort auf der Welt – da wohne ich. Das ist Vorarlberg, das ist Österreich. Ich war letzte Woche zwei Tage in Wien und südlich von Wien, in Oberwaltersdorf und der Gegend, das ist so schön, da möcht ich nirgends anders hin. Was mir ganz gut gefällt, ist der Kontakt zu den Menschen, verschiedene Kulturen kennenlernen. In den zwei Tagen Wien habe ich sechs Termine gehabt, man trifft so tolle Leute, die was bewegen wollen und mit denen dann gemeinsam was umzusetzen, das ist das eigentlich Erfüllende an meinem Job.

Wo verbringen Sie Ihren diesjährigen Sommerurlaub?

Da haben wir eine Pattstellung – leider Gottes. Die eine Tochter und meine Frau – für die ist eindeutig klar, dass es das Meer sein muss. Ich und die andere Tochter, die sowieso mal einen Bauernhof will – wir möchten lieber in die Berge. Letztes Jahr waren wir deshalb in Serfaus, das war wunderbar. Aber meine Frau hat das nicht ganz verstanden, wie man einen Spaß dran haben kann, wenn es Anfang August Schnee und vier Grad hat.

Da hab ich’s mit ihrer Frau …

Deshalb geht’s heuer auf Mallorca. Wir wechseln also ab. Wichtig ist, dass wir Zeit füreinander haben und ein bisschen Auszeit genießen können. Mallorca passt mir gut, weil ich hoffe, dass ich zum Radfahren komme.

Abgesehen vom Sport – haben Sie andere Hobbys wie zum Beispiel Lesen oder Musik oder …?

Ja, das hab ich gar nicht so als Hobby betrachtet. Ich lese immer wieder was, wobei ich in letzter Zeit mehr Hörbücher konsumiere. Da ich doch einiges an Zeit unterwegs bin, geht das mit Stöpseln in den Ohren ganz gut, da kannst du auch Sachbücher durchmachen. Weiterbildung und Informationsaufnahme, wo geht die Zukunft hin, technische und psychologische oder philosophische Betrachtungen – das interessiert mich. Momentan hör ich ein ganz interessantes Buch, das muss eigentlich jeder einmal gehört haben: »Homo Deus – Eine Geschichte von morgen« von Yuval Noah Harari. Das kann ich jedem stark ans Herz legen.

Das klingt nach »Wie geht’s weiter mit unserer Welt« – liege ich da richtig?

Genau. Betrachtung aus der Vergangenheit und Ausblick, wie schaut das aus, wenn es so weitergeht. Er deckt auch ganz klar den philosophischen Ansatz auf: Woher kommen wir überhaupt, was ist der Sinn des Lebens, was sind die Ziele der Menschheit und davon ableitend: Was treibt uns an und wo entwickelt sich die Welt hin? Das finde ich spannend. Nicht nur als Geschäftsmann, sondern das betrifft uns ja alle täglich. Wenn es so weitergeht, erleben wir noch ziemlich viel, weil sich’s immer schneller dreht.

Das dürfte nach Ihrem Geschmack sein – Sie sind ja jemand, der etwas bewegen und verändern will …

Genau. Das ist meine Art – ich möchte nicht reagieren, sondern gestalten und agieren, ich möchte aktiv dabeisein. Ich war eine zeitlang – jetzt darf ich nicht mehr, jetzt bin ich 41 – aktiv bei der Jungen Wirtschaft im Vorstand in Vorarlberg und bin denen nach wie vor treu. Für mich ist das eine von den ganz tollen Organisationen, weil sie parteifrei sind, weil sie ihren frechen Weg gehen und auch Sachen aufdecken, die nicht immer so ganz gut waren. Ich finde es wichtig, dass sich die Leute für sowas engagieren und mitgestalten und ihre Meinungen einbringen und aufhören zu jammern.

Unternehmen oder unterlassen, das ist der große Unterschied …

Ja genau. Und jeder sagt: Ja, du bist Unternehmer, hast die Firma übernommen. Aber ehrlich gesagt: Wenn ich Job wechsle hätte ich das doppelte Bruttogehalt, hätte kein Risiko, hätte mehr Zeit für die Familie. Das Ganze macht man nicht aus Gier oder finanziellem Antrieb … irgendwie kann ich nicht anders, ich bin Unternehmer, ich möchte was gestalten. Das ist Monopoly für Erwachsene. Es ist nicht so, dass es jeden Monat am 15. von irgendwoher Geld regnet, das ist hart erkämpft. Das ist der Nachteil an unserem schönen Land – wenn man sieht, wie viel Geld jeden Monat für die 25 Mitarbeiter von uns hinausgehen und wie viel davon bei ihnen ankommt … da gibt’s schon noch Aufholbedarf, da muss die Politik dringend was machen.

Wie würden Ihre Mitarbeiter Sie beschreiben?

Der meint immer, es geht so einfach und alles ist möglich. Ausbaden können das wieder wir und er sagt immer »Ja ja, das machst du schon!«. Die würden mich sicher als zu visionär sehen, zu schnell, zu vorausschauend. Aber auch positiv betrachtet, dass ich der Treiber bin. Und was sie sicher sagen würden: Der hat einen Vogel, der ist immer in der Firma. Wir arbeiten im 3-Schicht-Betrieb und ja, momentan sehe ich die 3. Schicht nicht, aber oftmals schon. Das sehen die Leute und deshalb gibt’s bei uns auch nie eine Diskussion à la »Du hast es gut, du fährst ein schönes Auto« oder ähnliches. Das gibt’s bei uns nicht, es weiß jeder, was los ist. Wir haben eine offene Informationskultur und Kommunikation, da weiß jeder, wie’s mit der Firma steht. Das ist mir auch wichtig, wenngleich es nicht immer einfach ist, zum Beispiel bei finanziellen Engpässen. Aber das gehört dazu und ich finde, das schulden wir den Mitarbeitern.

Daraus resultiert wahrscheinlich auch eine ganz andere Identifikation mit dem Unternehmen … 

Das muss ich relativieren: Wir haben einerseits hochdotierte Top-Leute und andererseits auch einfache Hilfsarbeiterjobs, bei denen die Identifikation eine andere ist und ich jeden Montag froh bin, wenn sie wieder kommen. Das hat nicht einmal etwas mit der Bezahlung zu tun, sondern wir finden nicht mal jemanden, der Interesse hat. Das ist die Schwierigkeit.

Geld ist nicht die Motivation, wie Sie selbst vorhin gesagt haben.

Genau. Meine Vorstellung von Unternehmen und Zusammenarbeit ist eine andere: Ich möchte eigentlich ein familiäres, schlagkräftiges Team haben, wo man einander kennt und mag, einander unterstützt, gemeinsam die Probleme aufgreift. Das ist meine Vision, die noch nicht ganz und überall Realität ist. Aber das ist wie das Null-Fehler-Prinzip: Das ist unser Stern und an dem halten wir fest und an dem arbeiten wir jeden Tag.

Welche Werte wollen Sie Ihren Töchtern fürs Leben mitgeben?

Das ist vielfältig. Einerseits ist mir ein gesundes Selbstwertgefühl ganz wichtig, ein gesundes Vertrauen. Sie müssen wissen, wer sie sind und wofür sie in der Welt stehen und müssen sich selber akzeptieren – das ist ganz wichtig, damit sie vorwärtskommen. Damit hab ich selbst lange gekämpft, hab gewusst, dass ich nicht so toll und nicht so gut bin. Das hat man mir schon in der Volksschule gesagt. Bis ich draufgekommen bin: Das stimmt ja gar nicht, ich bin eigentlich super! Das andere sind die Werte, die man selber daheim vorlebt: Das ist Familie, das ist Respekt vor anderen, egal wer das ist. Aber auch die Leistungsorientierung, weil wenn man nichts macht, kommt dabei auch nichts raus. Der Antrieb, was zu tun und vorwärts zu machen. Wobei: Nicht jeder muss die Welt verändern. Ich habe diesen Drang und das ist nicht unbedingt gesund. Man darf auch mal sagen: Jetzt lassen wir’s gut sein, jetzt lehnen wir uns zurück. Zusammengefasst: Die eigene Persönlichkeit zu finden ist wichtig, der respektvolle Umgang miteinander und die Wertschätzung dessen, was man alles hat.

Beruflich haben Sie rund um die Uhr mit Plastik zu tun. Was ist der Privatperson Martin Schmid das liebste Material?

Ich bin unglaublich kunststoff- und plastikaffin und würde gerne die Welt aufklären, dass Plastik gar nicht so schlecht ist, wie jeder meint. Ja, Plastiksackerl im Meer sind eine Katastrophe. Aber wenn ich mit den Kindern auf den Spielplatz geh und da liegen Glasscherben, dann kommt keiner und sagt »Glas ist schlecht!«, sondern »Ah ja, die Jugendlichen wieder.« Wenn Kunststoff im Meer herumschwimmt, dann ist es der Rohstoff an sich und das stört mich an der ganzen Diskussion. Neutral betrachtet stellt man fest, dass es einer von den effizientesten Werkstoffen ist, wenn man ihn richtig einsetzt. In Österreich haben wir eine Recyclingquote von 97 Prozent.

Also doch auch privat am liebsten Kunststoff?

Mein einer Großvater war Tischler, dadurch bin ich schon als Kind am Nageln gewesen und in der Werkstatt herumgerannt und im Sägemehl herumgehüpft. Und der andere war Schlosser, da war Metall im Spiel, er hat mein Fahrrad gerichtet und so weiter. Es gibt glaub ich nicht DEN Werkstoff, der alles kann und der super ist. Jeder hat so seine Eigenheit und genauso wie man die Leute akzeptieren muss, muss man auch den einzelnen Materialien Respekt entgegenbringen und das auch ganz normal betrachten.

Gibt es abschließend noch etwas, das Ihnen besonders am Herzen liegt und Sie uns mit auf den Weg geben möchten?

Tut was! Nicht jammern, sondern was ändern, was unternehmen. Wir können die Zukunft gestalten – und die Chance dürfen wir uns nicht nehmen lassen!

Zur Person:

Geboren am 10.2.1976 in Thüringerberg, verheiratet, zwei Töchter (7 und 8 Jahre alt).

Aus-/Weiterbildung: Gymnasium Feldkirch, HTL Rankweil (Nachrichtentechnik), Studium »Export & internationales Management« am Management Center Innsbruck.

Beruflicher Werdegang: Hirschmann Automotive GmbH (zuerst im Bereich Elektronik, danach Wechsel in die Automobilsparte), Ivoclar Vivadent, seit Mai 2007 Geschäftsführer bei Montfort Kunststofftechnik GmbH, 2016 hat Schmid gemeinsam mit Markus Zimmermann die Firma von den restlichen Gesellschaftern übernommen.

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