Interview mit Markus Lueck

Interview mit Markus Lueck

Er kommt aus einer Medizinerfamilie und eigentlich war immer klar, dass er Medizin, Jura oder Betriebswirtschaft studieren wird. Im Alter von 14 Jahren hat er jedoch seine wahre Leidenschaft entdeckt: nämlich Gastgeber sein zu wollen. Heute steht Markus Lueck an der Spitze des Palais Hansen Kempinski Vienna und interessiert sich dort nicht nur für die „großen“ Gäste und seine Mitarbeiter, sondern bindet auch die „Kleinen“ aktiv ein. Regelmäßig holt er seine beiden Söhne Finn und Mika (9 und 6 Jahre) ins Hotel, um sich deren Feedback einzuholen und zu schauen, was für die Kinder im Hotel wirklich interessant ist, woran sie Spaß haben.

Ich erzähle Markus Lueck, dass wir unsere Tochter Saskia als BEST OF-Küken aktiv in unser Firmengeschehen einbinden – weil wir festgestellt haben, dass ein Urlaub nur dann wirklich grandios ist, wenn auch Saskia sich wohlfühlt. Deshalb ist sie sozusagen die Chefin unserer KIDS LOUNGE (Anmerkung: Ist seit 2016 nicht mehr aktiv), wo sie Beiträge aus ihrer ganz individuellen Sicht schreibt – das können Hotelbeschreibungen, Urlaubserlebnisse, Ausflugstipps, Restaurantbeschreibungen, Rezepte oder Bastelanleitungen sein. Mit dem Wort „Basteln“ habe ich Markus Lueck schließlich das Stichwort gegeben …

Markus Lueck: Das Basteln ist interessant. Das ist etwas, was auch wir hier im Hotel forcieren. Oft werden Kinderprogramme von Managern oder Leuten kreiert, die selber keine Kinder haben und meistens sind das dann irgendwelche Sachen, die mit Schokolade zu tun haben et cetera. Man stellt sich halt nicht die Frage, ob das jetzt für das Kind wirklich interessant ist, ob es überhaupt gesund ist und ob die Eltern das gutheißen.

Und Sie machen das hier im Palais Hansen Kempinski anders?

Ja. Ich glaube, es ist ganz wichtig, dass man auch seine eigene Erfahrung reinbringt und teilweise den Kindern Sachen zum Testen gibt.

Wir haben jetzt hier im Hotel eine ganz tolle Geschichte: Eine junge Dame aus unserer Housekeeping Abteilung ist leidenschaftliche Zeichnerin und künstlerisch sehr begabt. Wir haben überlegt: Was machen wir für unsere Kinder als Willkommensgruß? Was schenken wir ihnen? Ein Malbuch kann jeder machen. Im Endeffekt hat sie auf einem dickem Papierbogen das Palais Hansen Kempinski auf ihre Weise gemalt und zusätzlich noch verschiedene Figuren. An jenen Stellen, wo ausgeschnitten oder gefaltet werden soll, hat sie entsprechende Striche gemacht. Wenn nun Kinder kommen, können die das erstmal ausmalen, dann ausschneiden und falten und schließlich aufstellen und damit spielen.
Auf diese Art bringen wir dieses Bastelelement mit rein und verbinden auch schon ganz klar das Interesse am Hotel damit.

Das klingt nach einer tollen Geschichte – Saskia hätte ihre Freude daran …

Wenn Sie nachher noch kurz Zeit haben, organisiere ich eines unserer Bastelsets für Ihre Tochter. (Dieses Angebot habe ich natürlich gerne angenommen!)

Mittlerweile haben wir schon eine zweite Edition: ein Wiener Kaffeehaus und den Prater. So kommen wir jetzt regelmäßig mit einer neuen Idee und ich freu mich jetzt schon auf Weihnachten, weil da werden wir etwas ganz Tolles machen. Ich denke das ist ein Thema, mit dem wir uns von anderen Hotels absetzen können, womit wir uns unterscheiden können.

Sie sind jetzt seit einem halben Jahr in Wien. Ist Ihre Familie mitgekommen?

Meine Familie ist noch nicht hier, nein. Die sind noch in Berlin. Meine Frau hat sich selbständig gemacht. Wir sind jetzt 12 Jahre verheiratet, meine Frau unterstützte mich immer und ist mir natürlich auch immer nachgezogen. Wir sind sehr viel umgezogen und ich glaub, den Erfolg, den ich halt auch in etwas jüngeren Jahren habe, den hab ich auch deshalb, weil ich eine perfekte Unterstützung habe.

Nachdem wir jetzt in Afrika waren haben wir gesagt, okay, bei der nächsten Destination machen wir’s so, wenn es möglich ist, dass man pendelt, dann machen wir das vorerst auf diese Art und Weise. Meine Frau hat jetzt die Möglichkeit, sich beruflich nochmal zu verwirklichen und so lange keiner drunter leidet, ist das in Ordnung. Und im Moment passt dieses Pendeln alle 2 Wochen für uns, so wie’s halt möglich ist – entweder kommt die Familie hierher oder ich fliege nach Berlin. Es ist jetzt mal ein Versuch und es funktioniert gut.

Aber Sie sind kein gebürtiger Berliner?

Nein. Ich bin gebürtiger Trierer, das ist in Rheinland-Pfalz. Im Alter von 12 Jahren bin ich mit meinen Eltern nach England gezogen, hab dort dann Abitur gemacht und seither eigentlich nirgendwo länger als vier Jahre gelebt. Das längste war dann in Berlin und per Zufall ist auch meine Frau Berlinerin und einige Mitglieder meiner Familie leben in Berlin, insofern ist Berlin jetzt sozusagen Homebase …

Ist Ihre Frau auch aus der Hotellerie?

Ja, wir haben uns in Marokko kennengelernt bei einer Hoteleröffnung eines 5-Stern-Hotels.

Leben Sie selbst direkt in Wien? Gefällt Ihnen Wien?

Ich lebe in Wien. Mein Zuhause ist mein Hotel. Ich wohne hier im Hotel und genieße es auch insofern, dass ich halt nicht permanent da sein muss, aber ich spüre das Hotel und ich versuche immer, alles aus dem Blickwinkel des Gastes zu sehen – und das ist einfacher, wenn man selber im Hotel wohnt. Wenn jetzt meine Familie hier wäre, würde ich das wahrscheinlich nicht machen. Aber da sie nicht da ist und ich mich wirklich zu 100 Prozent um das Hotel kümmern kann, macht’s meine Arbeit einfacher und ich glaube, dass mir bei Weitem mehr kleine Fehler auffallen, die mir sonst nicht auffallen würden.

Zum Beispiel?

Wir sind ein Haus, das sehr technologisiert ist und wirklich die modernsten Programme auf dem iPad hat, diesen dann „interfaced“ wie man sagt mit diversen anderen Systemen – mit dem Fernsehen, mit der Heizung, mit der Raumsteuerung generell. Da wir in diesem Bereich so modern sind, müssen wir da permanent noch dran rumfeilen, dass wirklich die Verbindung zwischen den jeweiligen Anbietern richtig funktioniert.

Da ich das jeden Tag nutzen kann als Gast oder hier Wohnender sehe ich gleich, wenn etwas nicht so funktioniert, wie es soll. Die Firmen finden das auch gut, die sagen „Wow, ihr bringt uns immer so viel Feedback“ und das können wir unsererseits auch in unseren anderen Hotels nutzen. Insofern sind wir in vielen Sachen für Kempinski Vorreiter – viele Sachen testen wir hier und können Dinge auch relativ schnell umsetzen.

Gab’s in Ihrem Leben irgendwann den Punkt, an dem Sie entschieden haben: Ich will in die Hotellerie, ich will Hoteldirektor werden?

Ich hab das im Alter von 14 oder 15 Jahren entschieden. Ich komm aus einer Medizinerfamilie und eigentlich war immer klar, dass ich entweder Medizin oder Jura oder Betriebswirtschaft studieren werde. Aber in der Zeit, als wir in England gelebt hatten, war’s so, dass meine Eltern auch am Wochenende öfters geschäftlich unterwegs waren und ich dann halt die Möglichkeit hatte, Freunde einzuladen. Da hab ich durch das Organisieren von Partys im Endeffekt gemerkt, dass es meine Leidenschaft ist, Gastgeber zu sein.

Für mich war jetzt nicht wichtig, die wildesten Partys zu organisieren, sondern die besten. Meine Freunde sind schon im Alter von 15, 16 zu mir gekommen und haben gesagt: „Wow, Markus, du bist der perfekte Gastgeber!“ Ich hab’s geliebt, zu organisieren!

Wie ging’s weiter – war das für Ihre Eltern okay oder waren sie eher enttäuscht?

Die haben das ja auch schon gemerkt. Wir haben uns dann zusammengesetzt und sie haben gesagt: Wenn das deine Leidenschaft ist müssen wir irgendwas suchen, was dazu passt. Da hat mich auch mein Vater sehr unterstützt und hat gesagt: „Okay, dann lass uns mal kucken, wie wir das bestmöglichst vorbereiten können.“ Wir haben nach Universitäten, nach Hotelfachschulen Ausschau gehalten und meine Familie hat mich dann sehr stark unterstützt, nach Lausanne zu gehen.

Eine sehr renommierte Ausbildungsstätte …

Lausanne ist für die Hotellerie meines Erachtens eine der besten Schulen. Ich bin mit 18 nach Lausanne gegangen, habe ein 4-jähriges Studium gemacht auf Französisch, obwohl Englisch mir natürlich viel leichter gefallen ist – aber ich hab mir gesagt, das ist jetzt die Möglichkeit, nochmal die französische Sprache perfekt zu lernen und für mich ist in punkto Hotellerie und Gastronomie Französisch einfach die Basissprache. Und ich habe es nie bereut.

Es war nicht einfach, aber erstmal das was ich gelernt hab‘ … Man lernt ja nicht nur das Fachliche, man lernt auch sehr viel was Etikette betrifft – von Anfang an waren wir im Anzug angezogen. Das heißt, es war nichts Neues mehr, später dann ins Hotel zu gehen und dort ein einwandfreies Erscheinungsbild abzugeben.

Ihren Abschluss in Lausanne haben Sie 1999 gemacht – seither haben Sie eine beachtliche Karriere hingelegt: Sie waren Vizedirektor des Adlon Kempinski Berlin, des Kempinski Grand Hotel Genf und des Kempinski Grand Hotel des Bains St. Moritz und haben zuletzt als General Manager das Pre-Opening – das ja immer die heißeste Phase ist – des Kempinski Hotel Gold Coast City in Ghana durchgeführt. Worauf führen Sie Ihren Erfolg zurück?

Ich liebe meinen Job. Sicher habe ich auch ein bisschen Glück gehabt – jeder braucht Glück in der Karriere. Aber die Leidenschaft hat mich einfach dazu gebracht, dass ich immer auch Leute richtig begeistern konnte. Nicht nur Gäste, sondern auch meine Teams. Und nur durch meine Teams, durch meine Mitarbeiter und meine Kollegen, bin ich da wo ich jetzt bin.

Wie sieht dieses „Begeisterung entfachen“ konkret aus? Wie motivieren Sie Ihr Team?

Indem ich versuche, so viel wie möglich über meine Mitarbeiter zu wissen. Indem ich sehr direkt auf die Mitarbeiter zugehe, mit ihnen spreche. Für mich ist das Wichtigste, dass jeder lächelt – das ist die Voraussetzung im Job. Wenn ich dann sehe, dass ein Mitarbeiter nicht lächelt, sage ich auf der einen Seite natürlich vom beruflichen Standpunkt aus: Hör mal zu, wenn du nicht lächelst, dann denkt der Gast, er ist nicht willkommen. Das ist die eine, die berufliche Seite. Die private, die persönliche Seite ist, dass ich kucke: WARUM lächelt der jetzt nicht? Ich glaube, dass ich sehr viel über meine Mitarbeiter weiß und weiß, wie sie sich fühlen. Wenn ich sehe, dass sie sich nicht wohlfühlen, dann gehe ich proaktiv auf sie zu und kuck, wie ich helfen kann.

Können Sie sich da noch gut abgrenzen? Birgt das nicht die Gefahr in sich, dass dann jeder mit seinen kleinen Mätzchen zu Ihnen kommt?

Nein. Ich bin ein sehr direkter Mensch. Ich gebe unheimlich viel Lob und motiviere die Leute dadurch. Aber wenn irgendwas nicht stimmt, sag ich ganz klar, was Sache ist. Ich glaube, das schätzen die Mitarbeiter auch. Manchmal sind sie vielleicht etwas verwundert, dass nach zehnmal Lob jetzt auch mal eine Rüge kommt. Aber ich denke, das ist sehr wichtig. Die Mitarbeiter und auch die Managementkollegen wissen genau, woran sie bei mir sind.

Es hat alles mit Psychologie zu tun, für mich sind Management und Psychologie eins. Zum Beispiel mit meinem Managementteam – auch wenn wir uns jetzt alle duzen, die ersten vier Monate habe ich mich nicht duzen lassen, weil es für mich sehr wichtig ist, dass der Respekt da ist und aus dem Respekt heraus hab ich das „Du“ angeboten und das ist mir sehr wichtig. Und insofern weiß dann auch erstmal jeder das zu schätzen und zweitens wo er dran ist mit mir.

Man kann zusammen ein Bier trinken gehen und viel Spaß haben, aber am nächsten Morgen um 8 Uhr, wenn der Job wieder anfängt, muss man Vollgas geben. Ich bin jemand, der sehr sehr viel Energie hat und ich versuche, mich auch mit einem Team zu umzingeln, das ebenfalls gerne im sechsten Gang fährt und das hab ich hier – ich hab ein ganz tolles Team übernommen, aber teilweise auch ein paar Änderungen vorgenommen. Ich bin total stolz auf das Team und es macht mir Spaß und ich denke, zusammen als Team haben wir schon einiges erreicht.

Gibt’s für Sie auf der anderen Seite so etwas wie DEN perfekten Gast? Es gibt ja auch Gäste, die sich über jede Kleinigkeit beschweren und das in einer oftmals nicht angemessenen Art und Weise …

Erstmal: Was ist angemessen? Und zweitens ist es so, dass jeder Gast verschieden ist. Also gibt es keinen perfekten Gast. Im Endeffekt ist der liebste Gast der, der Respekt auch unseren Mitarbeitern gegenüber zeigt und der sich an dem erfreut was wir machen. Das ist das Wichtigste. Aber jeder Gast ist verschieden und das macht unseren Job so interessant.

Wir sagen selbst als Firma, wir sind keine Kempinskis, keine Hotelkette, sondern wir sind eine „collection of individual properties”, wo halt sehr viel Persönlichkeit da ist. Jeder kann seine eigene Persönlichkeit reinbringen und genauso sehen wir das bei dem Gast auch.

Wir sind in der Luxusindustrie und Luxus heißt, jeder kann so sein oder ist so wie er’s will und kann das haben wann und wo er will. Unser Job ist halt, sicherzustellen, dass der Gast das so auch kriegt.

Sie hatten kurz auch den schwierigen Gast angesprochen, der vielleicht öfter nörgelt – das ist für uns eine super Herausforderung, den Gast dann happy zu stellen. Ich freu mich immer, wenn ein Gast zurückkommt, er möglicherweise beim letzten Aufenthalt ein Problem hatte, wir ihn vielleicht wieder eingeladen haben und gesagt haben: Wir möchten das wieder gutmachen! Da bin ich auch sehr großzügig, ich denke das muss so sein – und dann ist das Ziel, dass der Gast zurückkommt, wir ihn verwöhnen und er mir danach ein Dankesschreiben schickt. Und das sag ich auch so zum Team und das Team ist total stolz, wenn danach wirklich ein Schreiben kommt. Das zeigt uns, dass wir unseren Job richtig machen und das macht einfach total viel Spaß.

Sie haben gerade auch kurz das Wort Luxus angesprochen – was bedeutet für Sie persönlich Luxus?

Viele denken, Luxus ist monetär – das ist natürlich Teil davon. Aber ich denke, das Wichtigste ist, Zeit zu haben. Für mich, da ich sehr viel arbeite, ist Luxus Zeit mit meiner Frau und meinen Kindern zu haben, das ist auch das, wo ich meine Energie herkriege.

Als ich in Afrika war – vor Wien –, die ersten sechs Monate war ich dort alleine, ich wollt halt alles vorbereiten bis die Familie dann nachkam und da hab ich schon gemerkt, dass dieser Luxus, jeden Tag oder alle zwei Wochen wie’s jetzt ist, meine Kinder zu sehen, dass mir das gefehlt hat. Wir haben uns nur rund alle zwei Monate gesehen und dann merkt man schon, dass man vielleicht ein gutes Gehalt hat, alles Mögliche, schönes Haus, was auch immer – aber das ist dann nicht viel wert. Es ist viel mehr wert, wenn man mit seinen Liebsten zusammen ist. Da hab ich halt wirklich großes Glück, dass ich tolle Kinder hab und eine tolle Frau.

Sie essen und trinken gerne, sind gerne Gastgeber – wenn Sie jetzt losgelöst von Raum und Zeit die perfekte Dinner Runde zusammenstellen dürften, wer wäre da dabei?

Die perfekte Dinner Runde wäre, wenn ich meine besten Freunde zusammenbringen könnte. Da ich viel rumgereist bin, sind die fünf besten Freunde, die ich habe, alle verstreut. Und wenn ich die alle zusammenbringen könnte – das allein wäre schon sehr interessant, passiert nur leider viel zu selten.

Was sollte die Dinner Runde bringen? Kulinarisch bin ich jemand, der sich sehr gerne überraschen lässt. Ich liebe viele verschiedene Geschmäcker vom Essen her, aber auch von den Getränken. Ich liebe es, wenn ein guter Sommelier im Haus ist und ich sag immer dazu: Ich möcht gern zu jedem Gang einen anderen Wein trinken.

Gestern Abend zum Beispiel, ich hatte eingeladen hier zu uns ins Restaurant Edvard und ich glaube, wir haben vier verschiedene Flaschen Wein probiert. Die Flaschen müssen nicht immer leer werden, das ist nicht das was ich meine. Aber wir hatten vier verschiedene Weißweine und das war für mich der Hammer. Alles österreichische Weine – und das ist auch etwas: Seit ich in Österreich lebe, trinke ich nur österreichische Weine und bin begeistert, was für eine Vielfalt da ist. Und das ist dann auch etwas, was ich nicht vergesse, wo ich sage: Wow, das nächste Mal wenn ich komme, will ich den einen Wein nochmal probieren und der Sommelier stellt sich auf mich ein und sagt: „Herr Lueck, da hab ich wieder was, das möchte ich, dass Sie das probieren“ und das find ich einfach toll, das sind Erlebnisse! Weil: Gut essen kann man überall. Aber ein Erlebnis haben kann man nicht immer und überall.

Kochen Sie selber?

Nein, eigentlich nicht. Ich hab’s zwar sechs Monate als Teil meines Studiums gemacht, weil die Hotelfachschule in Lausanne ist so aufgebaut, dass man dort auch lebt und man verschiedene Restaurants hat und die Restaurants auch von den Studenten geführt werden. Ich war sehr gut in der kalten Küche, aber warme Küche war nicht so meins. Da hat sich relativ schnell herausgestellt, dass ich ein guter Generalist bin und Spezialisten sehr gut führen kann. Mit dieser Situation bin ich zufrieden und versuch jetzt auch nicht, groß zu kochen.

Mögen Sie lieber Rotwein oder Weißwein?

Kommt drauf an. Im Moment eher Weißwein, wenn’s dann kälter wird eher Rotwein. Aber wie gesagt, es ist eigentlich egal. Aber eine ganz tolle Geschichte in Bezug auf Wein: Ich war 2003 oder 2004 im Park Hyatt in Chicago und hatte da immer ganz Tolles gehört über das Restaurant und war da auch essen mit meiner Frau. Da hab ich einen Pinot Noir getrunken aus Amerika und hab dann jahrelang immer versucht … ich hatte nicht aufgeschrieben, wie der heißt … jahrelang immer wieder versucht, das gleiche Erlebnis zu kriegen – einen Pinot Noir zu kriegen, der so vollmundig ist und der mir dieses Erlebnis gebracht hat. Das hab ich hier in Österreich gefunden. Das Weingut Markowitsch – ein Pinot Noir … wow! Und das ist jetzt zehn oder elf Jahre her und da sehen Sie, wie das Erlebnis noch im Kopf ist.

In welche Lokalitäten gehen Sie privat am liebsten essen?

Kommt immer drauf an, wie die Stimmung ist. Mit Sicherheit gehe ich gerne in ein Gasthaus und hab die gutbürgerliche Küche. Aber da mein Background auch Food & Beverage ist und ich auch im Laufe der Zeit bei interessanten Firmen gearbeitet hab, die großen Wert auf F & B legen und jetzt eben auch im Kempinski, bin ich immer dran interessiert, in Restaurants zu gehen, die vom Konzept her ein bisschen ausgefallener sind und nicht so improvisiert, nicht zu kopiert.

Ich steh sehr auf … hier in Wien … auch wenn’s von der Kulinarik vielleicht nicht der Hammer ist, aber ich geh sehr gern in die Albertina Passage. Weil das für mich ein Restaurant ist, das jedes Mal ein Erlebnis ist. Ich weiß jetzt nicht, ob das Essen dann immer für mich das Erlebnis ist, aber das Drumherum find ich toll, das Zusammenspiel mit Musik, mit Stimmung, mit der Qualität des Essens, also das ist immer gleich gut.

Aber sonst, wenn ich jetzt z.B. Wien oder Berlin nehme – weil ich in Berlin doch noch eher die Gastronomieszene kenne –, da sind eher interessant die Restaurants die ein kleines bisschen einen asiatischen Touch haben. Es muss aber jetzt nicht der klassische Chinese sein, sondern z.B. thailändisch … wir haben ja jetzt in unserem Restaurant des Adlon Kempinski Berlin ein Restaurant eröffnet, das heißt Sra Bua by Tim Raue – Tim Raue, ein sehr bekannter Koch in Deutschland, ein 2-Sterne-Koch. Das ist erstmal vom Ambiente grandios und das Essen ist spitze, weil halt auch permanent noch Geschmäcker dazukommen.

Von Geschmack und Qualität des „Edvard“, in dem wir gerade sitzen, konnten mein Mann und ich uns selbst schon überzeugen …

Das freut mich! Für ein Hotel mit 150 Zimmern haben wir eine sehr große Gastronomie mit einem Sterne-Restaurant, dem Edvard, mit dem Restaurant Die Küche – das ist für mich auch toll, weil man sehr viele verschiedene neue Elemente hat, z.B. das Edvard – hier ist ganz klar dieser Überraschungseffekt wichtig, Sie haben drei bis maximal fünf Komponenten pro Speise und wenn Sie möchten, erklärt Ihnen der Maitre auch nicht im Detail, wie die Speise aussieht, sondern Sie wissen, was mehr oder weniger verwendet wird. Wie’s verwendet wird: keine Ahnung! Nachher auf dem Teller kommt dann der totale Überraschungseffekt. Zum Beispiel gestern: Ich hatte eine Speise mit Hering … ich bin jetzt nicht so unbedingt der absolute Hering-Fan, aber die Mischung, die Philipp Vogel – unser Küchenchef – dann gemacht hat, zusammen mit Gurke, mit Salzgurke, mit Avocado – ist der Hammer! Das ist für mich dann, wo ich sage: Wow! Das krieg ich vielleicht in einem Gasthaus nicht. Dort krieg ich halt eine tolle Qualität, aber das besondere Erlebnis hab ich halt in etwas moderneren Konzepten.

Was sind Ihre Hobbys?

Man hat nie Zeit, man nimmt sie sich, man muss sie sich nehmen. Ich nehm sie mir nicht genügend. Ganz klar: Hobby für mich ist Familie und Zeit mit der Familie zu verbringen, mit den Kindern spielen – da wird auch sehr viel Sport getrieben. Aber ansonsten denke ich, sollte man dem Hobby doch noch mehr Zeit geben. Aber die Frage ist halt: Da ich meinen Job so liebe – ist nicht vielleicht der Job auch teilweise Hobby? Ich denke, so lang man eine Work-Life-Balance hat und halt auch merkt, dass man vom Energielevel nicht runtergeht, ist alles im grünen Bereich. Aber man muss es im Hinterkopf halten und wissen: Arbeit ist nicht alles.

Aber umso besser, wenn sie einem gut gefällt und man mit Leidenschaft dabei ist. Wie und wo verbringen Sie Ihren privaten Urlaub?

Nicht in Hotels. Wir fahren nie zweimal an die gleiche Stelle. Wir mieten uns immer entweder ein Ferienhaus oder … ja doch, meistens ein Ferienhaus und das für Sommerurlaub und Winterurlaub. Weil wir einfach … wir wollen frei sein, wir wollen nicht permanent Obacht geben, dass die Kinder sich ordentlich benehmen – was sie absolut machen –, aber im eigenen Haus, mit schönem Garten, wenn dann auch noch Freunde dabei sind, dann kann man viel befreiter den Urlaub verbringen. Ich bin jeden Tag im Job 100 Prozent konzentriert und versuche, keine Fehler zu machen, versuche, mich ordentlich zu präsentieren. Im Urlaub möcht ich auch mal loslassen und das schaff ich, wenn wir uns ein tolles Haus nehmen.

Dann sind Sie aber nicht in Anzug und Krawatte, sondern – was tragen Sie am liebsten in Ihrer Freizeit?

Ich trag sehr gerne Anzug und Krawatte. Also jetzt nicht privat, weil mir meine Frau dann immer sagt, ich wär zu spießig (lacht). Nee, sonst, z.B. liebe ich farbige Chinos. Ich bin jemand, der gerne gut gekleidet ist. Ich trag auch gern mal eine Jeans. Was ich z.B. in Afrika geliebt hab – meine grünen, blauen, roten Hosen anzuziehen, auch wenn ich kein Golfer bin, weil das ja eigentlich aus der Golfmode kommt. Das trag ich gern.

Wie werden Sie Ihren Geburtstag verbringen?

Im Auto. Ich fahr mit meinen Kindern – die haben sich gewünscht, fünf Tage mit mir alleine loszufahren …

Ohne Mama?!

Ja, weil sie jetzt kurz vor Eröffnung ihres Geschäftes ist. Aber die wollen teilweise Zeit mit mir alleine haben und dann fahren wir fünf Tage zu meiner Mutter. Morgens noch in Berlin frühstücken und Ostereiersuche machen mit den Kindern und dann fahren wir sechs Stunden, aber das ist schon ganz okay.

Wie heißen Ihre Jungs?

Finn und Mika. Wir wollten Namen haben, die nicht abzukürzen sind und Namen zu der Zeit, die relativ selten waren, jetzt sind sie häufiger, und natürlich auch Namen, die in allen Sprachen auszusprechen sind. Man weiß ja nie, wo einen das Leben hinbringt. Der Älteste ist in Dubai geboren, der Jüngste in der Schweiz und wer weiß, wo wir in zehn Jahren leben oder wo die Kinder studieren …

Gibt’s noch etwas, das Sie unseren Lesern ans Herz legen wollen, z.B. ein Lebensmotto?

Mein Lebensmotto ist: Geht nicht, gibt’s nicht. Das finde ich sehr wichtig, dass man alles sehr positiv und optimistisch angeht und das ist z.B. auch etwas, was ich hier in Wien gemerkt hab: Man beschwert sich sehr häufig über Sachen und ich bin aber jemand – bei mir ist das Glas immer halb voll … Auch wenn jetzt hier ein neues Hotel aufmacht, das Park Hyatt – ich freu mich drauf. Andere sagen „Uhh, noch ein Hotel“ – ich freu mich aber drauf! Denn wenn man sich die Möglichkeiten ansieht und was das für Wien darstellt: Es ist einmalig! Insofern: Sich nicht immer die Sachen ankucken, die negativ sind, sondern einfach das Positive rausholen. Ich denke, dann fährt man viel besser.

Mit weiseren Worten könnte man ein Gespräch gar nicht abschließen … Markus Lueck übergibt mir – wie versprochen – noch das Bastelset für unser BEST OF-Küken. 🙂

Zur Person

Markus Lueck wurde am 20.4.1976 in Trier (Rheinland-Pfalz / Deutschland) geboren und leitet seit Oktober 2013 als Generaldirektor die Geschicke des Palais Hansen Kempinski Vienna.

Mit seiner Frau Gabriela ist er seit 2002 verheiratet. Die gemeinsamen Söhne Finn und Mika sind 9 und 6 Jahre alt.

Markus Lueck, ehemaliger Direktor des Luxushotels Palais Hansen Kempinski Vienna in Wien
Interview mit Markus Lueck

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