Interview mit Klaus Christandl

Interview mit Klaus Christandl

Eigentlich wollte er Zuckerbäcker werden. Nun ist er seit mittlerweile drei Jahren an der Spitze eines der Flaggschiffe der österreichischen Hotellerie tätig: Klaus Christandl, Generaldirektor des Hotel Imperial Vienna. Nach mehr als 20 Jahren an beeindruckenden Stationen im Ausland ist er in seine Heimat zurückgekehrt, denn „Man wird nur einmal im Leben als Österreicher angerufen, um das Hotel Imperial leiten zu können. Das ist schon etwas als Hotelier, das kann man nicht ausschlagen“, erzählt er mir und dabei schwingt großer Stolz und so etwas wie Ehrfurcht in seiner Stimme mit.

Werdegang

Bevor er zum Bundesheer gegangen ist, hat Klaus Christandl eine dreimonatige Sommerpraxis im Hotel Sacher in Wien gemacht. Hotel Sacher – Sachertorte – Zuckerbäcker – eine logische Schlussfolgerung.
Während dieser drei Monate hatte er die Möglichkeit, sich mit einer großen Vielfalt an Professionisten aus dem Hotel zu unterhalten und wurde quasi durch die ganze Hierarchie „weitergereicht“. Am Ende kam heraus: Wenn du Karriere machen willst, muss schlussendlich „Hoteldirektor“ drunterstehen.

Während seiner Ausbildung an der Hotelfachschule im Modul (Wien) bekam er von Seiten des Lehrkörpers auch immer wieder zu hören: „Ihr müsst euch Ziele setzen, auf die ihr im Laufe eurer Entwicklung zuarbeiten könnt.“ Ein Ziel hat sich Klaus Christandl dann kurz vor Abschluss gesetzt: „Mit 35 Jahren möchte ich Generaldirektor eines internationalen 5-Sterne-Hotels sein“ – ein kühnes Ziel, ohne jeden Plan eines Weges dorthin, wie er gesteht. Aber „der Weg ergibt sich von selbst, solange das Ziel klar definiert ist“ – auch das hat er im Modul zu hören bekommen und das war dann für die nächsten 15 Jahre seine Richtung.

Karriere

Als Lottosechser bezeichnet er die Tatsache, dass er – gemeinsam mit zwei Kollegen aus dem Modul – „zwei Wochen nach dem Abschluss, noch vor der offiziellen Abschlussfeier, nach Macao gehen konnte, zu Mandarin Oriental.“

Dort hat er dann schließlich auch seine Frau kennengelernt – sie hat im gleichen Betrieb gearbeitet – und ist fortan mit ihr gemeinsam gereist. Von Macao ging’s weiter zu Mandarin Oriental nach Manila, danach zum Phuket Yacht Club Hotel & Beach Resort in Thailand. 1998 wechselte er in die Emirate – zuerst ins Sheraton Dubai Creek Hotel & Towers, anschließend zu Sheraton Abu Dhabi Resort & Towers. Danach machte er samt Familie drei Jahre Station im Sheraton Miramar Resort in El Gouna, Ägypten. Bevor es ihn 2011 nach Wien zog, leitete er zwei Jahre lang das Sheraton Grande Laguna in Phuket, Thailand.

Privat

Klaus Christandl wurde am 7. April 1968 in der Steiermark geboren und ist in Klagenfurt (Kärnten) aufgewachsen. Seine Frau ist Chinesin, gemeinsam haben sie zwei Kinder – Lukas (20) und Alexandra (18).

Sie sind über 20 Jahre gemeinsam als Familie von Destination zu Destination gezogen. Wie gut funktioniert die Kombination von flexiblem Hoteliersleben und Familienleben?

Viele meinen, das könne aufgrund der endlosen Arbeitszeiten und der unglaublichen Flexibilität, die notwendig ist, nicht funktionieren. Es kann aber sehr wohl funktionieren. Dabei kommt es auf zwei Faktoren an: Erstens natürlich auf den Partner, mit dem man unterwegs ist und zweitens auf sich selbst. Also wie man sich selbst auf diese Dualität – einerseits die Leidenschaft für das Werken in der Hotellerie, andererseits die Bedürfnisse einer Familie – einstellt.

Ist es für Ihre Kinder nicht schwierig, immer wieder den Standort wechseln zu müssen, Freunde zurückzulassen?

Absolut. Das war für die Kinder jedesmal eine Riesenherausforderung. Zumal so eine Entscheidung ja immer sehr schnell umgesetzt wird – man hat drei bis vier Wochen, bis man umgezogen ist. Von der Entscheidungsfindung bis zur Umsetzung ist einpacken, weiterziehen, aufsetzen und wieder anfangen angesagt. Hilfreich war bestimmt, dass wir das Glück hatten, in allen Destinationen etwas über dem Durchschnitt zu verbleiben – in Dubai waren es sogar sieben Jahre, das waren vor allem diese Entwicklungsjahre der jungen Kinder damals und das war sehr sehr vorteilhaft.

Wie gehen Ihre Kinder damit um?

Es war von sehr frühem Alter schon für die Kinder ganz klar, dass dieses Leben des Nomaden, des immer wieder Weiterziehens, mit dem Papa in dem Beruf einfach so ist – das wird immer bei uns sein. Obwohl’s schwer war – in dem Alter, in dem sie heute sind, sind sie definitiv davon überzeugt, dass ihnen nichts besseres hätte passieren können. Sie haben Freunde rund um die Welt, in Asien, in Thailand, in Dubai, in Kolumbien – das ist halt auch die Entwicklung der Kommunikation in den letzten 20 Jahren, sie können ohne jegliche Kosten mit ihren Freunden in Kontakt sein und man tauscht sich aus.

Ein schönes Beispiel: Wir sind sieben Jahre in Dubai gewesen und unsere Tochter und meine Gattin waren dann für sieben Jahre nicht in Dubai, ich bin beruflich ein paar Mal nach Dubai gekommen. Wir haben dann letztes Jahr entschieden, wir besuchen jetzt mal unsere Freunde von damals und waren eine Woche in Dubai und treffen uns mit Klassenkollegen unserer Tochter. Auch im Alter von 17 sind natürlich 7 Jahre eine extrem lange Zeit und zwischen 10 und 17 Jahre verändern sich die Interessen etc. Mit ihren Freundinnen, mit denen wir uns getroffen haben – das war, als ob sie gestern erst weggegangen wäre. Die wussten voneinander noch immer, was gestern geschehen ist. Wir sind dann einmal zusammengesessen und reden auch so über den Bruder, den Lukas, und dass Lukas ja in England studiert und ich beginn so „Ja und der Lukas, der kocht jetzt auch seit er studiert in Nottingham.“ Und die zwei anderen sagen so „Ja, eh klar.“ „Ja, aber ihr seid’s ja eigentlich mit der Alexandra in Kontakt.“ „Nein, wir wissen genau, was er gestern gekocht hat, wir sehen das ja jeden Tag auf Instagram und Facebook etc.“. Man sitzt dann so da und sagt „Okay, dann gibt’s eigentlich nicht viel Neues, das man euch erzählen kann.“

Das klingt ganz danach, als würden die Vorteile ganz klar überwiegen …

Für eine globale Familie ist es eine wunderschöne Sache, ganz einfach immer in Kontakt sein zu können. Das verbindet sie. Dadurch haben sie auch diese weltoffene Sicht bekommen. Die beiden sind sehr kritisch – aber nicht kritisch gegen eine Person oder deren Kulturkreis oder deren Gedankengut, sondern mehr kritisch im Sinne von: Was kann man miteinander gestalten. Das macht einem selbst immer wieder bewusst, ein bisschen vorsichtiger und bedachter mit Menschen umzugehen und das ist wieder der schöne Aspekt, dass man da von den Kindern auch sehr viel lernen kann.

Sie waren schon in vielen Ländern unterwegs – wie viele Sprachen sprechen Sie?

Zwei. Deutsch und Englisch. Ich werd immer wieder gefragt, wie war das möglich im Mittleren Osten, da muss man doch Arabisch können, oder in Thailand ein bisschen Thai sprechen. Ein paar Brocken gibt’s hie und da schon, es wäre nicht genug auch nur für eine kurze Unterhaltung. Aber es ist in der Hotellerie Fakt: Es spricht ohnehin jeder Englisch. Speziell in der 5-Stern-Hotellerie, in der ich immer tätig war, ist die Erwartungshaltung der Gäste, dass die Sprache aller Mitarbeiter Englisch ist. Es war also nie ein Bedarf gegeben, die jeweilige Sprache zu lernen und ich bin grundsätzlich nicht das Sprachentalent in der Familie – meine Frau spricht sieben Sprachen, ich spreche zwei …

Sind Ihre Kinder 2-sprachig aufgewachsen?

Mehrsprachig würd ich sagen. Die erste Sprache ist definitiv Englisch. Beide sprechen Französisch, weil das in den früheren Schuljahren eigentlich die erste Fremdsprache für sie war. Beide verstehen Deutsch perfekt, sprechen’s ein bisschen holprig, weil’s halt kaum praktiziert wird in ihrem Umfeld. Unser Sohn hat Spanisch gelernt, versteht Spanisch, unser Sohn liest Arabisch, heute noch, was bewundernswert ist, weil er’s ja eigentlich nur 2 Jahr gelernt hat, aber das war anscheinend eine Periode, wo er gerade sehr sehr aufnahmefähig war und das auch behalten hat. Also Sprachen sind für die Kinder überhaupt kein Problem. Und wenn sie sich jetzt irgendwo auf der Welt niederlassen würden, bin ich überzeugt, sie würden die Sprache in Kürze erlernen. Das ist also für sie ein Teil dieser „Da muss man sich halt einbringen und mitnehmen, wenn man’s leichter haben möchte“-Philosophie.

Sie waren ja sehr lange im asiatischen und arabischen Raum unterwegs. Was hat Sie am meisten geprägt? Was haben Sie mitgenommen in die Heimat?

Wir waren in sieben verschiedenen Destinationen gemeinsam als Familie – es waren alle schön. Jede Destination, jeder Ort, jeder Kulturkreis konnte uns unglaublich interessante und schöne Aspekte mitgeben. Es gab auch überall Abstriche zu machen, keine Frage. Was ich mitgenommen habe aus allen Bereichen ist ganz einfach ein viel besseres Verständnis, dass das was wir als das Richtige, das Gute oder das Ideale betrachten, oft gar nicht so richtig gut oder ideal ist, wenn man’s nur von einer anderen Blickrichtung betrachtet. Um in all diesen Destinationen wirklich erfolgreich agieren zu können, muss man sich auch in diesen Destinationen sehr hineinlesen und gut zuhören, was die Kultur an dieser Destination bedeutet, was die Hintergründe sind. Zusammenfassend ist das Wichtigste für mich mitgenommen zu haben: Anders ist gut und anders ist schön.

Sie sind nun seit 2011 wieder in Österreich. Wie haben Sie die Rückkehr in Ihre Heimat erlebt?

Die Rückkehr nach Österreich nach über 20 Jahren – ich bin sehr sehr glücklich, dass ich diesen Schritt habe machen können. Aber es war mit Abstand der schwierigste Schritt, mit Abstand die Destination, in der es für uns als Familie und auch für mich selbst am schwierigsten war, wieder Fuß zu fassen.

Können Sie das genauer erklären?

Es hat uns als Familie die Möglichkeit eröffnet, bevor die Kinder auf die Universität ziehen, dass wir noch einmal gemeinsam ein paar Jahre in Europa verbringen können. Beide haben ja ihr ganzes Leben nie in Europa gelebt und da war’s meiner Gattin und mir schon bewusst, dass das auch für die jungen Leute eine große Umstellung sein wird und dass das vielleicht gar nicht so schlecht wäre, noch zwei, drei Jahre gemeinsam durch diese Umstellung zu gehen. Und das war toll.

Wir haben auch die Möglichkeit wahrgenommen, ganz einfach mehr mit ihnen in Europa zu reisen, weil wir waren halt überall unterwegs, von Kanada bis Australien und natürlich sehr viel in Asien und auch Afrika, und jetzt Europa ein bisschen besser kennenzulernen, sie hier einzuführen ins alte Europa war uns viel wert und das war ganz einfach ein sehr schöner Aspekt in der Umstellung.

Gibt’s für Sie so etwas wie den perfekten Gast?

Nein. Weil jeder Gast ist anders. Die Erwartungshaltungen und Bedürfnisse der Gäste sind von Hotel zu Hotel, von Destination zu Destination unterschiedlich und da muss man sich dann auch, um erfolgreich sein zu können, wirklich auf jeden Gast individuell einstimmen.

Es gibt natürlich auch noch die standardisierte Hotellerie, wo jeder eine Zimmernummer hat und wo jede Einheit ident oder sehr sehr ähnlich ist. Das wird aber weniger und weniger gewünscht. Die Menschheit ist verwöhnt heute und sie möchte auch als Individuum gesehen und wahrgenommen werden, auch im Reisegeschäft, auch in der Hotellerie. Daraus ergibt sich, dass, weil jeder Gast so unterschiedlich ist, es eigentlich keinen perfekten Gast gibt. Es gibt auch kein perfektes Hotel. Es gibt auch nicht das beste Hotel. Es kommt sehr darauf an, was man sucht. Was für mich das ideale Hotel wäre, ist für Sie möglicherweise nur durchschnittlich. Und deshalb sehe ich auch Klassifizierungen und Bewertungen wie „das beste Hotel der Welt“ immer sehr vorsichtig – es kommt drauf an, in welcher Definition man das betrachtet.

Was verlangen Sie Ihren Mitarbeitern unbedingt ab?

Leidenschaft. Es muss Leidenschaft da sein und der Fokus muss darauf gerichtet sein, wie kann ich die Person, die gerade durch die Tür kam glücklicher wieder rausgehen lassen. Ob das jetzt ein Hotelgast ist, der übernachtet, oder ob das ein Gast in den Gastronomiebereichen ist, das muss ganz einfach da sein, das Herz muss da sein. Das kann nur geschehen, wenn’s natürlich von ganz oben auch immer wieder gelebt wird, vorgezeigt wird und praktiziert wird.

Wie würden denn Ihre Mitarbeiter Sie beschreiben?

Sehr sehr unterschiedlich. Wir haben auch in unserem Konzern zwei unterschiedliche Systeme der gegenseitigen Bewertung. Es ist für mich immer interessant gewesen zu sehen, wie unterschiedlich in unterschiedlichen Kulturkreisen die Mitarbeiter einen bewerten. Dadurch ist mir auch bewusst geworden, dass das nicht daraus entsteht, dass ich von Destination zu Destination plötzlich ein anderer Mensch geworden bin, sondern wie man natürlich betrachtet wird. Das Interessante und Wertvolle daraus ist zu lesen, wie man sich selbst in seiner Arbeitseinstellung oder seinem Arbeitsablauf eigentlich adaptieren muss, um dennoch das Bestmögliche aus seinem Team herauszuholen.

Wie sind Sie hier in Wien als Chef? Ist Ihre Tür für jeden offen?

Das hat sich in keiner der Destinationen verändert. Es ist für mich unglaublich wichtig, dass jeder im Haus weiß – und sei das der Abwäscher bis hin zu meinem Managementteam –, dass ich nur einen wahren Grund meiner Berechtigung hier habe und das ist, dass ich für sie alle da bin. Alleine zu werken geht in der Hotellerie sowieso nicht. Man kann nur als Team gemeinsam Erfolg erreichen. Aber ich bin eigentlich der, der die Hindernisse, die uns in den Weg gestellt werden, entfernen muss, und dazu muss ich ganz einfach wissen, wo sie liegen, wo sie wieder auftauchen und deshalb ist der Austausch mit meinen Mitarbeitern sehr wichtig. Es gibt in diesem Betrieb sehr viele Kommunikationskanäle, aber am allerwichtigsten ist natürlich, dass meine Türe immer offen ist, aber auch, dass die Leute wissen: Den Direktor findet man sehr selten im Büro.

Gehen Sie viel herum und schauen direkt vor Ort?

Das ist essentiell. Man kann sich nicht erwarten, dass einem aus allen Abteilungen und allen Bereichen immer alles zugetragen wird, was geschieht und wo’s oft auch kleinere Problemchen gibt, sondern man muss das oft auch selbst finden. Deshalb ist es so wichtig, erreichbar zu sein, ansprechbar zu sein, aber nicht nur zu warten bis jemand kommt, sondern extrem aktiv jeden Tag nach außen zu gehen, um ganz einfach auch die Mitarbeiter in Unterhaltungen, in Gespräche zu verwickeln. Ich sag immer: Kommunikation, Kommunikation, Kommunikation – es gibt nichts Wichtigeres in unserem Gewerbe!

Welche Art von Unterkunft bevorzugen Sie, wenn Sie privat verreisen?

Das ist vielleicht einer der Aspekte, wo wir uns schon von frühen Jahren her immer gesagt haben: Da verwöhnen wir uns dann aber. Es ist ganz einfach notwendig, wenn man international als Hoteliersfamilie unterwegs ist, dass man oft eben Kompromisse eingeht – man lässt Freunde zurück, muss sich wieder neu wo finden, aufbauen. Als Counterbalance dazu haben wir gesagt, als die Kinder in einem Alter waren, in dem man intensiv mit ihnen reisen konnte und wollte: Aber dann wohnen wir auch gut, dann bleiben wir auch gut irgendwo unterwegs.

Dazu kommt, wenn man mit einem Konzern arbeitet, der 1.200 Hotels und Resorts weltweit betreibt, man natürlich dann auch die Möglichkeit hat, diese Einrichtungen zu nutzen. Das ist fast ausschließlich im 5-Sterne-Segment. Das haben wir auch gemacht. Wir sind als Familie in glaub ich über 60 unserer Betriebe weltweit schon gewesen und ich selbst in über 100.

Haben Sie Hobbies, die Sie mehr oder weniger regelmäßig pflegen?

Großes Hobby ist die Familie und war die Familie für die letzten Jahrzehnte. Ich bin wahnsinnig gern in der Natur. Hier in Österreich, seit wir zurück sind, sind das die Wochenendausflüge und da haben wir – in erster Linie meine Gattin und ich, teilweise mit der Alexandra und mit unserem Hund – dann Ostösterreich in den letzten 3 Jahren erkundet. Das Schöne dran ist, dass ich nach dem Wochenende zurück komme hierher ins Hotel und mit Wienern, die seit 50 Jahren in Wien leben, spreche und oft höre „Noch nie gehört. Noch nie dagewesen.“ Und das ist natürlich immer ein schöner Aspekt, dass man als Auslandsösterreicher – und so werd ich auch heute noch oft gesehen – das eigene Land besser kennenlernen kann als Zuhausegebliebene.

Ich kann aus der Natur unglaublich viel Energie wieder aufnehmen, fotografiere sehr gerne und deshalb bringen wir diese Erinnerungen dann auch immer wieder mit, teilen sie mit der weiteren Familie, sei’s die Familie von Seiten meiner Frau in Asien und Kanada oder meine Familie, die mehr in Zentraleuropa angesiedelt ist.

In welche Lokalitäten gehen Sie privat am liebsten essen?

Einfach. Freundlicher Service. Ein Umfeld, wo man sich nicht wirklich viele Gedanken machen muss … Am liebsten ist es mir, wenn ein Kellner/eine Kellnerin kommt und sagt „Heute essen Sie dieses oder jenes Gericht, weil das ist das beste, was der Chef gekocht hat und schauen Sie gar nicht auf’s Menü“.

Aber keine bestimmte Stilrichtung, z.B. chinesisch oder thailändisch?

Wir kochen sehr viel asiatisch zu Hause …

Kochen Sie selbst auch?

Ich darf nicht so oft – die Küche gehört meiner Gattin. Gott sei Dank, weil sie hat eine unglaubliche Bandbreite kulinarischer Art. Aber wir gehen auch sehr gern asiatisch essen, was für uns in Österreich ein bisschen schwierig ist, weil wirklich asiatisch sind vielleicht fünf Prozent aus der ganzen Vielfalt, die da vorhanden ist. Alles andere ist eine europäisch asiatische Abform, aber nicht wirklich im Original. Wir haben einige Thai-Restaurants und chinesische Restaurants, in die wir gern essen gehen …

Was bedeutet für Sie persönlich Luxus?

Zeit. Weil’s viel zu wenig geschätzt wird und vielleicht noch weiter ausgeholt: Zeit füreinander zu haben. Das bezieht sich jetzt nicht auf die Allerliebsten alleine, sondern auch generell – Zeit für einen Mitarbeiter im Betrieb zu finden, Zeit zum Zuhören haben. Etwas das – weil Sie vorher im Gespräch gefragt haben, wie werde ich von meinen Mitarbeitern gesehen – etwas das eigentlich in allen Destinationen immer wieder stark hervorgekommen ist, „Er ist jemand, der gut zuhören kann“.

Es ist oft so, auch international in unserem Gewerbe, dass, wenn man eine sehr verantwortungsvolle Führungsposition hat, die Zeit zum Zuhören nicht mehr oft gegeben ist und das war mir immer unglaublich wichtig. Den andern aussprechen lassen, die anderen einmal aus sich herausgehen lassen und ihnen ganz einfach zuhören. Es ist auch für mich oft nicht genug Zeit zum Zuhören in meinem Verantwortungsbereich und Umfeld. Aber genau das ist Luxus. Das ist wirklich der wahre Luxus im Leben, sich die Zeit zu nehmen, sich miteinander wirklich auszutauschen und einander zuzuhören. Damit könnte man viel bewegen und viel verhindern, wo man dann oft im Nachhinein sagt „Das war jetzt nicht so gscheit“.

Haben Sie so etwas wie ein Lebensmotto?

Es gibt mehrere „geborgte“ Weisheiten, die ich auch meinem Team immer wieder gerne mit auf den Weg gebe. Ein wichtiger Slogan ist für mich: „Always ask for the impossible – because only if you ask for the impossible you get the best possible out of your people“. Da gibt’s oft Ansagen von meiner Seite, wo mich dann das ganze Team anschaut à la „Jetzt hat er wieder was Falsches gegessen“, aber das ist ganz bewusst, weil nur wenn man sich wirklich diese kühnen Ziele setzt, wird man das Beste draus machen können.

Wichtig ist, dass danach auch das Lob kommt, wenn das kühne Ziel nicht erreicht wurde, aber man knapp dran war, sonst verfällt jeder in Depressionen und sagt, der fragt immer nach verrückten Sachen und wir schaffen’s eh nie. Das Zelebrieren der Erfolge ist halt auch ein sehr wichtiger Aspekt.

Da kommt wieder die von Ihnen vorhin angesprochene Leidenschaft ins Spiel …

Genau! Ein Spruch, den ich jetzt oft bei unseren beiden jungen Leuten zu Hause verwende, weil sie gehen jetzt durch diese Prüfungsphasen und das ist schon sehr herausfordernd für die jungen Leute, weil sie unglaublich viel parallel schaffen müssen, sehr viel in Einzelarbeit, individuelle Arbeit und Projekte, und ich sag dann oft ein Zitat von Nelson Mandela: „Je öfter du niedergeschlagen wirst, desto öfter hast du die Möglichkeit, wieder aufzustehen“ und auch das ist natürlich was Schönes und Wichtiges im Leben. Es kann nie immer alles nur schön und glatt laufen und auch wenn wir hinfallen – es ist was Schönes, man kann wieder aufstehen.

Sie haben sich viel Zeit genommen für unser Gespräch – vielen Dank!

Sehr gerne!

Klaus Christandl, ehemaliger Direktor des Luxushotels Hotel Imperial in Wien
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