Interview mit Heinz Hunkeler

Interview mit Heinz Hunkeler

„Back to the roots“ könnte man bei Heinz Hunkeler sagen, denn er ist in diesem Hotel aufgewachsen, damals, als seine Eltern als Direktionsehepaar das Kulm Hotel St. Moritz leiteten. Heute ist Heinz Hunkeler selber General Manager des Kulm und kann jetzt seinen Kindern weitergeben, wovon er als kleiner Junge ganz automatisch jede Menge mitbekommen hat: Dieses Savoir-Vivre, dem man sich – selbst wenn man wollte – nicht entziehen kann, wenn man in einem Hotel groß wird.

Am 29. Jänner 1974 kam Heinz Hunkeler während der Weltmeisterschaften im Engadin zur Welt. Dieser Tatsache verdankt er auch seinen Spitznamen „FIS“ – nämlich nicht abgeleitet vom französischen Wort „fils“ für „Sohn“, sondern von der Fédération Internationale de Ski (kurz: FIS), weil zur Zeit seiner Geburt gerade das ganze FIS-Komitee im Kulm Hotel St. Moritz gewohnt hat.

Nach Stationen in New YorkParisGenf und München ist er 2006 zurück ins Engadin gekommen, wo er dann sieben Jahre lang zusammen mit seiner Frau Jenny Hunkeler die Direktion im Schwesterhotel Kronenhof im sechs Kilometer entfernten Pontresina übernommen hat. Seit April 2013 führen Heinz und Jenny Hunkeler nun das Kulm Hotel St. Moritz.

Mittlerweile sind die beiden selber Eltern – Eléonore kam Ende 2010 zur Welt, Leandro folgte Mitte 2012 und der jüngste Spross, Aurelio, wurde im Oktober 2013 geboren. Nun kann Heinz Hunkeler seinem eigenen Nachwuchs das bieten, was er selbst als Kind so genossen hat: Aufwachsen im Hotel.

Sie haben zusammen mit Ihrer Frau schon einige – auch internationale – Stationen absolviert. Wo haben Sie einander eigentlich kennengelernt?

Ganz klassisch über eine Ehevermittlungsgesellschaft (schmunzelt bis über beide Ohren), die nennt sich École hôtelière de Lausanne – das ist die Hotelfachschule. Wir waren im selben Semester, hatten am Anfang vielleicht unterschiedliche Interessen, sind bei verschiedenen Projekten dann aber immer näher zusammengekommen. Für mich war’s dann relativ schnell mal klar und irgendwann sind wir schlussendlich zusammengekommen und haben auch die Schule zusammen abgeschlossen.

Haben Sie danach gleich zusammen gearbeitet?

Nein. Wir haben zwar immer parallel unseren Weg geführt, aber bis zum Kronenhof nie zusammen gearbeitet, wussten aber, dass wir’s wahrscheinlich schon machen können, weil wir uns gegenseitig doch sehr ergänzen.

Wie kam’s dann zur Einstellung als Direktionsehepaar im Kronenhof?

Die Familie Niarchos hatte den Kronenhof gekauft und eine Direktion gesucht. Das Profil war sehr auf uns zugeschnitten: Man hat jemanden mit nationaler und internationaler Erfahrung gesucht, am liebsten mit einer gewissen Hotelketten-Erfahrung – weil man dabei doch gewisse Standards und Services gut lernt –, der das Hotel von der Pike auf gelernt hat und einen engen Bezug zum Engadin hat. Und da haben wir mit unserem Profil relativ gut reingepasst.

Nun sind Sie – wieder gemeinsam mit Ihrer Frau – seit etwas über einem Jahr General Manager im Kulm und wohnen auch im Hotel. Wie lässt sich so ein Job – vor allem für Ihre Frau – mit drei kleinen Kindern vereinbaren?

Das ist sicherlich eine Herausforderung, die man nicht machen könnte, wenn einem die Kinder nicht so viel zurückgeben würden. Und es würde auch nicht funktionieren, wenn wir nicht so tolle Unterstützung im Hotel hätten. Wir haben eine tolle Nanny und auch sonst gibt’s Dinge, die uns vereinfacht sind, wie zum Beispiel das Hotelessen – wir kochen in der Saison eigentlich selten selber und sind glücklich, dass wir da bekocht werden.

Das klingt in der Tat sehr angenehm …

Ja, aber irgendwann kann man dann das Hotelessen nicht mehr sehen und freut sich wieder auf einen einfachen Wurstsalat und ein Stück Brot … Das ist das Spannende an der Saisonhotellerie – man hat zwei Saisonen mit unterschiedlichen Rhythmen. In der Zwischensaison, wenn die Hotels geschlossen sind, hat man einen „normalen“ Rhythmus, kommt am Abend um 5 oder 6 nach Hause und ist dann für die Familie da.

Langweilig ist Ihnen in der Zwischensaison aber dennoch nicht, oder?

Nein nein, es gibt auch da genug zu tun – Umbauten, Renovierungen, alles wieder für die Saison vorbereiten. Aber der Rhythmus ist ein anderer. Während der Saison und Hochsaison tritt man dann persönlich vielleicht wieder etwas kürzer. Andererseits ist man im Hotel und hat auch die Kinder im Haus – man kann also gegebenenfalls relativ schnell reagieren und das hat auch wieder seinen Vorteil.

Welchen Hobbies gehen Sie in Ihrer Freizeit nach?

Sport ist für mich ein gewisser Ausgleich. Ich geh gern mountainbiken und ich geh gern zu Berg – was ja irgendwie ein Phänomen ist: Man ist hier aufgewachsen und als Kind viel wandern und bergsteigen gegangen. Irgendwann hat’s einen überhaupt nicht mehr interessiert, weil man lieber ausgegangen ist und andere Flausen im Kopf hatte. Aber irgendwann ist die Lust auf’s Wandern wieder zurückgekommen und jetzt gehen wir sehr gerne.

Mit einem bestimmten Ziel?

Wir haben ein tolles Hideaway in einem kleinen Seitental ganz hinten, mit einer kleinen Blockhütte. Das ist für uns ein Rückzugspunkt, wo man eins mit der Natur und als Familie mit den Kindern unter sich ist. Das ist ein Örtchen, wo sich Fuchs und Henne gute Nacht sagen. Ein netter Ausgleich. Die Natur ist schon etwas, wo ich gerne Energie auftanke.

Und weitere Sportarten? Sie als Schweizer fahren doch bestimmt Ski – oder ist das für Sie so selbstverständlich, dass Sie’s gar nicht erwähnen?

(Lacht) Natürlich skifahren! Logisch, damit bin ich aufgewachsen! Früher war’s auch noch snowboarden – ich hab mir als Snowboard-Lehrer mein Taschengeld verdient. Aber seit rund sieben Jahren bin ich zurück auf den Skiern. Ja und dann auch noch Schlittschuhlaufen auf dem See und die verschiedenen Wintersportarten auf jeden Fall – Crestabahn oder Bobbahn oder so etwas.
Früh am Morgen geh ich gern meine Runden schwimmen und wenn das Wetter mitmacht, mach ich morgens um 7 eine dreiviertel Stunde Stand-up-Paddling am See. Sommer wie Winter – Sport ist für mich ein gewisser Ausgleich.
Ach ja – einmal im Jahr gibt’s einen Höhepunkt: die Bündnerjagd. Die ist im September und da bin ich mit Freunden zusammen auch wiederum in der Natur.
Sie sehen: Natur und Sport – das ist mein Ding!

Klingt wirklich sehr sportlich …

Wobei es nicht unbedingt nur der Sport selber ist, sondern einfach dieses Abschalten und irgendetwas anderes zu sehen.

Wenn Sie Urlaub machen – an welche Destinationen zieht Sie’s und in welche Art von Unterkunft?

Sehr unterschiedlich. Es gibt eigentlich zwei Dinge: Ein Teil ist sicherlich etwas, was man vielleicht als „Pflichturlaub“ bezeichnen kann – Benchmarking, andere Hotels anschauen und so.
Der andere Teil ist mit der Familie und da ist es jetzt mehr und mehr so, dass wir uns ein Häuschen mieten, mal an der Algarve, mal woanders. Einfach irgendwas, wo wir selber den Haushalt führen können – das heißt für uns einkaufen gehen, kochen, ein normales Familienleben führen und nicht irgendwie noch von Mitarbeitern oder Kellnern umgeben sein. Andere sagen sicher: Nein, im Urlaub muss ich sicher nicht noch einkaufen und kochen – da geh ich ins Hotel und lass mich verwöhnen! Bei uns ist es halt genau umgekehrt …

Kochen Sie selber eigentlich auch?

Ja, wir kochen schon auch, doch doch. In der Zwischensaison, am Wochenende. Man hat ja auch seine Sporen in verschiedenen Bereichen abverdient und da hat die Küche natürlich auch einen großen Teil mit ausgemacht. Kulinarik ist für uns schon ein Thema – man geht gern gut essen, gute Weine trinken … aber das schau ich jetzt nicht als mein Hobby an, das ist eher so ein „savoir-vivre“.

Haben Sie ein Lieblingsessen?

(Denkt kurz nach) Nein, kann ich so nicht sagen.

Das heißt, Sie mögen alle kulinarischen Stilrichtungen?

Ich hab gern die Abwechslung. Vom Hotelessen hab ich wie gesagt irgendwann genug und freu mich dann wirklich auf einen Kartoffel- oder Wurstsalat oder auch auf Mama’s Küche. Dann freut man sich wieder mal auf einen guten Asiaten oder Inder. Ich bin da sehr offen.

Mögen Sie lieber Rot- oder Weißwein?

Ich bin tendenziell eher im Rotbereich – wobei ich Weißwein auch mag. Aber der rote ist im Moment eigentlich eher Favorit.

Zurück zur Familie: Welche Werte wollen Sie Ihren Kindern unbedingt mit auf den Weg geben?

(Denkt lange nach) Ich glaub‘ Freude, Authentizität, Ehrlichkeit, Spaß und sicherlich eine gewisse Disziplin, die’s in bestimmten Momenten auch braucht. Das in einem guten Mix – abgesehen von Gesundheit und was alles natürlich dazugehört – sind so die Kriterien, die mir gerade durch den Kopf gehen.

Wie sind Sie als Chef?

Ich vertrete die Philosophie: Nur glückliche Mitarbeiter können die Gäste glücklich machen. Ich bin da sehr offen – ich hab nicht nur eine open door „policy“, sondern lebe sie auch. Teilweise bin ich schon auch etwas ein Kontrollfreak, möchte in relativ alles reinschauen. Eine gewisse Ungeduld gehört sicher auch dazu, weil’s mir nie schnell genug gehen kann. Und innovativ. Ich denke, jeder Department Chef und jeder Mitarbeiter wird dafür bezahlt, dass er seine Verantwortung auch trägt und den Betrieb führt, als wär’s sein eigener.

Wie bringen Sie Ihre Mitarbeiter dazu?

Ich versuche das schon vorzuleben – sich mit dem Betrieb und mit dem, was man tut, zu identifizieren, zu handeln und zu führen, als wär’s das eigene Hotel. Was jetzt vielleicht etwas theoretisch tönt – aber man kann schon versuchen, es etwas in diese Richtung hin zu leben.

Was verstehen Sie unter dem Begriff „Gastlichkeit“?

(Denkt nach) Gastlichkeit … Ich denke, man darf sich nicht zu schade sein, um zu dienen – was aber nicht jedermanns Sache ist. Manche sind zu stolz und sagen: Nein, ich nicht. Gastlichkeit ist auch, den Gästen Freude zu bereiten. Versuchen, dem Gast mit Freundlichkeit und Lebensenergie den Urlaub so zu gestalten, dass er in der Zeit, in der er da ist, seine Batterien aufladen kann und mit vielen Erfahrungen nach Hause geht, sich möglichst lange an diese Gastlichkeit erinnert und davon eigentlich auch zehren kann.

Was bedeutet für Sie persönlich Luxus?

(Denkt sehr lange nach) Gesundheit, Freiheit, Platz und Zeit.

Herr Hunkeler – vielen Dank, dass Sie uns so viele private Einblicke gewährt haben!

Gern geschehen!

Zur Person:

Heinz Hunkeler wurde am 29.1.1974 im Engadin geboren. Mit seiner Frau Jenny hat er drei Kinder. Seit April 2013 leiten sie als Direktionsehepaar das Kulm Hotel St. Moritz.
Berufliche Stationen: Genf (Hôtel des Bergues), Interlaken (Grand Hotel Victoria-Jungfrau), New York (The Pierre, ehemals Four Seasons), Paris (Hôtel George V), Genf (Mandarin Oriental Hôtel du Rhone), München (Kempinski Hotel Vier Jahreszeiten), Pontresina (Grand Hotel Kronenhof).

Comments are closed.