Haben Sie Lust auf diese Immobilie?

Haben Sie Lust auf diese Immobilie?

Bei Immobilienmaklern fungiert die eigene Website als Pendant zum Schaufenster ihres Büros – beziehungsweise geht sogar darüber hinaus. Auf der Website ist die Präsentation einer Immobilie nicht bloß auf ein A4-Blatt beschränkt – im Gegenteil: Mit entsprechend guten Fotos lassen sich Attraktivität und Vorzüge eines Objektes perfekt in Szene setzen. Zwar wird auf der Website selber beim Erstbesuch kein Kaufakt über die Bühne gehen – ansprechend, interessant und verlockend sollte sie dennoch gestaltet sein, um potenzielle Käufer anzuziehen. Insofern betrachte ich die Website eines Immobilienmaklers durchaus als Point of Sale (PoS).

Abtörnend

Nachfolgend zeige ich Ihnen etliche Screenshots von Präsentationen hochwertiger Immobilien in allerbester Lage: Wiener Innenstadt. Miet-Preise: im Bereich zwischen 2.900 und 5.400 Euro monatlich. Es handelt sich also durchaus um edle Objekte, die jedoch leider in keinster Weise auch nur annähernd so präsentiert werden – im Gegenteil.

Eine Toilette ist eine Toilette (siehe obiges Bild). Nicht mehr und nicht weniger. Ob sich ein solches Bild (noch dazu mit hochgeklappter Klobrille!) allerdings wirklich eignet, die Besonderheiten der “wunderschön adaptierten Altbauwohnung” hervorzuheben, darf in Frage gestellt werden.

Jaaaa, das nachfolgende Bild verdeutlicht, dass die Wohnung tatsächlich gerade adaptiert wird …

Immobilienfoto – Handwerker auf Leiter vor Fenster

Ist der an die Wand gelehnte Besen im Mietpreis inkludiert oder kostet der extra?

Immobilienfoto – Besen lehnt an der Wand neben Flügeltüre

Ein kleiner Fortschritt hinsichtlich des fotografischen Auges ist erkennbar – immerhin prangt die Leiter nicht mehr im Vordergrund des Fotos, sondern ganz am Rande …

Immobilienfoto – Leiter steht in der Ecke eines Raumes

Was genau will mir der Immobilienmakler mit diesem Bild zeigen oder gar schmackhaft machen? Den Stuck an der Decke? Den Kristallluster? Wenn’s um diesen ginge, hätte der Fotograf eventuell darauf achten sollen, ihn auch zur Gänze auf’s Bild zu bekommen …

Immobilienfoto – Stuckdecke mit abgeschnittenem Kristallluster

Steckdosen!!! Sieh einer an – gibt’s die jetzt auch schon in Wien? Oder ist in dieser Präsentation einer “Stilwohnung” gar ein Ratespiel für Immobiliensuchende versteckt? TV-Buchse (oder?), Internetanschluss, normale Steckdose …

Immobilienfoto – drei Steckdosen nebeneinander

Jaaa, es ist immer blöd, einen Raum mit Spiegel fotografieren zu müssen. Das stört mich aber gar nicht so sehr an diesem Foto. Sondern: Wenn mir eine “Stilwohnung in Grabennähe” (der Graben zählt in der Wiener Innenstadt wohl zu den exklusivsten Wohngegenden – teurer geht’s kaum) offeriert wird, dann erwarte ich mir eine entsprechend “stilvolle” Präsentation der Räumlichkeiten – und keinen Saustall inklusive WC-Papier.

Immobilienfoto – Blick ins unaufgeräumte Badezimmer

Na bitte – im Wirtschaftsraum liegt ja auch gleich ein Staubwedel bereit, um den gerade angesprochenen Saustall zu beseitigen.

Immobilienfoto – Blick in die Waschküche

Und zu guter Letzt die wahnsinnig übersichtliche, extrem gut lesbare Skizze der Wohnung (Sarkasmus Ende) – Sie können sich jetzt bestimmt ein richtig gutes Bild von dieser “Stilwohnung” machen und wollen am liebsten gleich den Mietvertrag unterschreiben, oder?

Immobilienfoto – völlig unleserlicher Grundriss einer Wohnung

Photoshop

Nachvollziehen kann ich eine solche Vorgehensweise nicht. Selbst wenn kein Profifotograf am Werk ist, der es versteht, mit Licht und Schatten und diversen Winkeln zu spielen – es gibt Photoshop! Nachträgliches Bearbeiten der Bilder ausdrücklich erwünscht!

Grundvoraussetzungen

Will ich als Immobilienmakler (bzw. als Verkäufer/Vermieter – denn die Herrschaften werden ja erst recht ein Interesse daran haben, Ihr Eigenheim schnellstmöglich zu verkaufen/vermieten!) ein Objekt an den Mann / an die Frau bringen, tue ich gut daran, ein paar ganz grundsätzliche Voraussetzungen zu beachten und zu erfüllen:

  • Ein Grundmaß an Sauberkeit sollte vorherrschen.
  • Die Wohnung / das Haus sollte aufgeräumt wirken (und wenn alles herumliegende Zeugs bloß in Schubladen und Schränke geschmissen wird – egal, das sieht man nicht auf Fotos)
  • Dazu zählt auch, dass keinerlei Putzwerkzeuge und/oder Ausrüstungen von Handwerkern herumstehen oder -liegen.
  • Auch Handwerker selbst machen sich weniger gut auf Verkaufsfotos (außer sie sind durchtrainiert und attraktiv).
  • Heben Sie die Vorzüge des jeweiligen Objektes hervor (und dazu zählt ganz bestimmt nicht eine Toilette mit hochgeklappter Klobrille!)!
  • Stellen Sie einen übersichtlichen, gut lesbaren Wohnungsplan zur Verfügung – Interessenten wollen sich konkret etwas unter dem angebotenen Objekt vorstellen können.

Das waren jetzt mal wirklich nur die rudimentärsten Voraussetzungen, die gegeben sein sollten, um ein Wohnobjekt attraktiv zu vermarkten. Bestimmt gibt es auch richtig gelungene, positive, vorbildliche Beispiele unter den Immobilienmaklern – ich mach’ mich mal auf die Suche. Wenn Sie einen Tipp für mich haben, nehmen Sie bitte Kontakt mit mir auf – danke!  🙂

Anmerkung: Sämtliche in diesem Blogbeitrag ersichtlichen Screenshots wurden am 16.6.2014 gemacht.

2 Kommentare

  1. Hallo Frau Lohs
    Musste fast lachen, als ich Ihren Bericht gelesen hab. Scheinbar gibt es nicht viele außer uns beiden, denen die “optimierungswürdige” bildliche Präsentation von Immobilien im deutschsprachigen Raum auffällt. -> http://www.filmkraft.at/immobilienpraesentation-das-stiefkind-der-oesterreichischen-maklerbranche/

    Da haben die amerikanischen Makler schon wesentlich früher erkannt, wie wichtig es ist, hochwertige Objekte auch hochwertig zu präsentieren … mal sehen ob wir mit unseren Postings die Maklerwelt verändern ;-)))