Gastbeitrag „Gasthäuser – Treffpunkt, Labstelle und Kulturgut“

Gastbeitrag „Gasthäuser – Treffpunkt, Labstelle und Kulturgut“

Ein Jahr nach Erscheinen meines Buches Traditionelle Gasthäuser in Vorarlberg – Geschichte(n) und Kulinarik hat mich die Schriftleiterin des Heimatpflegevereins Bregenzerwald, Lieselotte Hammerer, eingeladen, einen Gastbeitrag für die 2016er Ausgabe des Bregenzerwald Heftes zu schreiben – was ich natürlich sehr gerne gemacht habe, schlägt mein Herz doch seit Kindesbeinen an für traditionelle Wirtshäuser und alles, was dazugehört.

Gasthäuser – Treffpunkt, Labstelle und Kulturgut

Mein Mann und ich essen gerne. Noch lieber essen wir gut. »Wenn wir auswärts essen, gehen wir eigentlich immer in die selben zwei, drei Lokale, weil wir dort wissen, was uns erwartet. Lass uns doch auch mal was Neues ausprobieren«, zeigte sich mein Mann eines Tages wagemutig. Ich war auf Anhieb von seinem Vorschlag begeistert: »Ja, klar! Wo sollen wir hingehen?« Die üblichen Lokalführer, man kennt das ja, funktionieren alle nach demselben Prinzip: Je mehr ein Gastronom für die Insertion bezahlt, umso größer und umfangreicher wird er in der Publikation präsentiert. Jene, die kein Geld dafür aufbringen können, fallen durch den Rost. Den Texten nach zu urteilen ist jedes Lokal das schönste mit dem besten Essen und den fairsten Preisen. Sollten wir solch einen Gastroführer als Grundlage für unsere künftigen Experimente heranziehen? Das wollten wir nicht.

Und so entstand die Idee, ein eigenes Buch zu schreiben. Um Gasthäuser sollte es gehen, um jene, die Tradition haben, über die es Geschichten zu erzählen gibt und die bodenständige Küche mit regionalem und saisonalem Zugang bieten. Wo jeder Gast willkommen ist, ob Anwalt oder Handwerker, und sein Feierabendbier trinken kann. Wo der Musikverein und die örtliche Fußballmannschaft regelmäßig am Stammtisch zusammenkommen. Wo gejasst wird, wo Seniorentreffen und Tanzkränzchen über die Bühne gehen, wo gefeiert wird. Wo es vielleicht sogar noch einen Sparverein gibt. Wo die Leute am Sonntag nach der Kirche zum Frühschoppen eintreffen oder sich etwas später den klassischen Sonntagsbraten auf der Zunge zergehen lassen. Wo man zusammenkommt, um sich mit anderen auszutauschen, wo das soziale Bedürfnis nach Gesellschaft, nach Beisammensein gestillt wird, wo man übers örtliche Geschehen am aktuellen Stand bleibt. Wo Geschäfte abgewickelt werden, wo Politik gemacht und Geschichte geschrieben wird. Wo man sich gut aufgehoben fühlt, geborgen, fast so wie in einem zweiten Zuhause, wo der Wirt vielleicht sogar mehr über uns weiß als der eigene (Ehe)Partner. Ja, genau SO ein Buch sollte es sein!

Unser im Herbst 2015 erschienenes Buch »Traditionelle Gasthäuser in Vorarlberg – Geschichte(n) und Kulinarik« erzählt das, was der Titel vorausschickt: Geschichten – über Wirtsleute, Gasthäuser und Essen. Ungefähr neun Monate waren wir unterwegs, bis wir die 58 Wirtshausgeschichten »im Kasten« hatten – vom Bodensee über den Bregenzerwald bis an den Arlberg. Die Wirte mussten übrigens nichts dafür bezahlen, um in unserem Buch präsent zu sein – stattdessen spendierten sie uns zwei Essen und schenkten uns ein wenig ihrer kostbaren Zeit, um uns über ihr Gasthaus, ihre Philosophie, ihre kulinarische Linie und sich selbst zu erzählen.

Im Bregenzerwald haben wir 15 Gasthäuser besucht und dabei viele herzliche, engagierte Gastwirte kennengelernt und köstlich gegessen: Taube in Alberschwende und jene in Bizau, Engel in Bezau, Egender in Schönenbach, Traube und Alpenrose bzw. Kaltenbrunnen in Egg, Adler und Brauerei in Krumbach, Adler in Doren und der in Schwarzenberg, Traube in Lingenau, Adler und Naze’s Hus in Mellau, Goldener Adler in Hittisau und Der Hirschen in Sibratsgfäll. Was soll ich Ihnen hier in aller Kürze sagen, wie kann ich die Quintessenz des Erlebten auf den Punkt bringen? Kurz und knapp: Die Schupfnudeln, die Apfelküachle, die Käsknöpfle, der Kaiserschmarrn, das Kalbfleisch, das Steinebucher Reh, die Mousse vom Bergkäse, der Rücken vom Moorschwein unter der Kräuterkruste, die Spätzle, das Gulasch, der Zwiebelrostbraten, die gebratene Lammkrone – ein Gedicht! Mehr lesen Sie am besten selbst und lassen sich von den dazugehörigen Bildern entsprechend inspirieren – zum Selbst-Hingehen und Genießen nämlich.

Unser Buch bekommen Sie in etlichen der zuvor genannten Gasthäuser und auch direkt bei uns, auf Wunsch mit persönlicher Widmung – entweder eMail an s.lohs@lohs.co.at schreiben oder unter 0664 430 57 45 anrufen.

Fakten zum Buch:
160 Seiten, Format 17 x 24 cm, Hardcover, leinengebunden, Preis 29,80 Euro.

Bildnachweis:
(c) Susanne & Hartmuth Lohs

Susanne Lohs (geb. 1972) Autorin, selbständige PR-Beraterin, Bloggerin. Dem guten Essen & Trinken zugeneigt – sowohl in der eigenen Küche als auch auswärts, bevorzugt in traditionellen Gasthäusern. Dabei immer im Blickpunkt: hochwertige Produktqualität, ehrliche Zubereitung, genussvolles Verzehren. Erstlingswerk: »Traditionelle Gasthäuser in Vorarlberg – Geschichte(n) und Kulinarik«.

Gastbeitrag von Susanne Lohs im Bregenzerwald Heft 2016

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