(Eis)Bärige Spendenaktion im Tiergarten Schönbrunn

(Eis)Bärige Spendenaktion im Tiergarten Schönbrunn

Wie schafft man es, möglichst viele Menschen dazu zu bewegen, für die neue “Eisbärenwelt” im Wiener Tiergarten Schönbrunn zu spenden? Indem man sie am eigenen Ego packt!

Simple Sammelbüchsen waren gestern, Mailings wären zu aufwändig und teuer – spenden sollen die Leute aber trotzdem. Und wie stellt man das am effektivsten und effizientesten an? Im Falle des Tiergartens Schönbrunn waren es vier wesentliche “Zutaten”, die für den Erfolg (hoffentlich) ausschlaggebend sein werden:

  • Die Nutzung vorhandener Ressourcen
  • Die richtige Wahl von Zeitpunkt und Ort
  • Die Einstiegshürde für jedermann leistbar ansetzen
  • Das Streicheln des menschlichen Egos

Bevor ich detaillierter auf die einzelnen Punkte eingehe, erkläre ich, wie die Spendenaktion für die neue Eisbärenwelt aufgesetzt ist:

Ausgangssituation

Meine Tochter und ich verweilten gerade im Elefantenhaus und sahen den imposanten Vierbeinern beim “Spiel” mit dem Tierpfleger zu, der in einem abgegrenzten Bereich mit dem Hochdruckreiniger für Sauberkeit sorgte. Vor allem der junge Elefantenbulle trabte immer wieder auf die Absperrung zu und forderte den Tierpfleger trompetend auf, ihn nass zu spritzen. Es war herrlich, zuzuschauen, und wir waren bestimmt schon eine Viertelstunde im Elefantenhaus, als uns ein Mitarbeiter des Tiergartens – mit Unterlagen in der Hand und Fotoapparat um den Hals – ansprach.

Er erklärte, dass der Bereich der Eisbären gerade umgebaut werde und sie dafür noch eifrig Spender suchen. Ab 5 Euro sei man dabei, dafür gäbe es dann eine “Danke”-Urkunde sowie die Verewigung des persönlichen Antlitzes auf einem überdimensional großen Eisbärenbild, das aus den einzelnen Fotos aller Spender zusammengesetzt würde. Darüber hinaus beantwortete er bereitwillig und überaus informativ unsere Fragen zum aktuellen Verbleib der Eisbären, zum Projekt insgesamt und noch so manch anderen Dingen.

Ressourcen

Die eigenen Mitarbeiter zum Zwecke des Spendensammelns einzusetzen, macht absolut Sinn. Erstens werden dadurch ohnehin vorhandene Ressourcen genutzt und zweitens macht der Auftritt von Tiergartenmitarbeitern die Sache erst so richtig authentisch. Wer sonst hätte unsere Fragen so umfassend beantworten können?

Zeitpunkt + Ort

Zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein ist oftmals das Zünglein an der Waage und entscheidend dafür, ob ein Projekt erfolgreich ist oder eben nicht. Die Zoobesucher direkt während ihres Besuches im Tiergarten (also direkt am Point of Sale) anzusprechen, garantiert zudem Aufmerksamkeit – man ist ja gerade im Tiergarten bei Tieren und somit hundertprozentig bei der Sache, um die es auch bei der Spendenaktion geht. Die Aufmerksamkeit für das Projekt und die Spendenbereitschaft sind hier und jetzt bestimmt weitaus höher und größer als zu jedem anderen Zeitpunkt an irgendeinem anderen Ort.

Einstiegs”hürde”

Die “Einstiegshürde” zum Spenden ist mit fünf Euro relativ human angesetzt. Wenn man bedenkt, dass der Eintritt für Erwachsene 15 Euro und für ein Kind sieben Euro kostet, sind fünf Euro Mindestspende allemal leistbar.

Ego

Dieser Punkt ist aus meiner Sicht das Um & Auf an der beschriebenen Spendensammelaktion – aber nicht nur da. Das Ego der Leute zu streicheln – damit kommt man meistens zum gewünschten Ziel. Wer sieht sein Konterfei nicht gerne in der Zeitung oder sonstwo abgebildet, wer giert nicht nach “gefällt mir”-Klicks auf Facebook, wer zeigt nicht gern, dass er spendabel ist?

Ein überdimensional großes Bild eines Eisbären aus all den einzelnen Fotos der Spender zusammenzustellen, ist eine Streicheleinheit par excellence für das Ego jeden Spenders – glauben Sie mir! Die mit Namen versehene Urkunde befriedigt hingegen eher die Kinderherzen … Unabhängig davon: Alles in allem sprechen wir hier von perfektem emotional selling!

Aber wie im richtigen Leben so ist es auch hier: Das Herz (und damit die Geldbörse) einer Mutter gewinnst du über ihr Kind* …
Natürlich war ich selber sofort zum Spenden bereit (ihre Tierliebe hat Saskia ganz eindeutig von mir) – aber selbst, wenn ich’s nicht gewesen wäre: Als uns der Zoomitarbeiter ansprach und Saskia mich mit ihren blauen Kulleraugen ansah – mit gekonntem Augenaufschlag perfekt in Szene gesetzt – und mit piepsiger Stimme fragte: “Mama – spenden wir?” – wie hätte ich da nein sagen können?!

*Das Selbe gilt selbstverständlich auch für Väter!

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