Coverstory Manuel Trappel

Coverstory Manuel Trappel

Ein ganz ein Sympathischer ist er, der Manuel Trappel – Profigolfer und seit der Eröffnung im Juni 2016 Botschafter des Golfclub Lech am Arlberg. Ich durfte den Sohn von Ex-Skirennläuferin Ingrid Eberle sogar gleich zwei Mal treffen und mit ihm plaudern: im Herbst 2012 und im Frühjahr 2013, nachdem er gerade vom Amateur- ins Profilager gewechselt hatte. In unseren Gesprächen räumt der gebürtige Bregenzer mit diversen Mythen auf und gibt sich dabei nicht nur äußerst sympathisch, sondern auch noch offen, aufmerksam und interessiert, mit dem richtigen Maß an Bodenhaftung. Aber … lesen Sie am besten selbst:

 

If you dream it, you can do it.

Das ist sein Motto. Im Alter von neun Jahren hatte er sich infiziert und mit 13. Februar 2013 hat ihn das „Golf-Virus“ ins Profilager katapultiert. Manuel Trappel im Gespräch mit WEEK-Redakteurin Susanne Lohs.

Eigentlich waren es zwei Gespräche. Das erste Mal trafen wir einander im Herbst 2012 im Brandnertal anlässlich eines Workshops von Günter Spiesberger, Mentaltrainer von Manuel Trappel. Damals war Trappel noch Amateurgolfer und hatte als solcher bereits Golfgeschichte geschrieben: drei Mal war er schon Vorarlberger Landesmeister gewesen, ist 2011 sowohl zum Vorarlberger Sportler des Jahres als auch vom Österreichischen Golf Verband zum Golfer des Jahres gekürt worden und räumte im selben Jahr den Staatsmeister- und den Europameistertitel ab. Letzteren wohlgemerkt als erster Österreicher überhaupt.

Der Europameistertitel war es auch, der ihm als Amateurgolfer 2012 den Start bei einem der vier großen Major-Turniere der Profi-Golfwelt ermöglichte: Beim British Open spielte er mit Golfgrößen wie Rory McIlroy, Rickie Fowler, Luke Donald (damals Nummer Eins der Welt) und Padraig Harrington.

Seine sportlichen Ergebnisse hatte ich alle recherchieren können. Als ich mich ins Brandnertal aufmachte war ich hingegen neugierig, wie er wohl als Mensch sein würde. Ob seines Erfolges vielleicht eingebildet, einsilbig und mit Starallüren behaftet? Man tritt Menschen, die schon so früh so erfolgreich sind, doch mit einer gewissen Ehrfurcht gegenüber …

WUNSCHKANDIDAT

„So einen will ich später mal als Schwiegersohn haben!“ Ehrlich – das waren die ersten Gedanken, die mir beim Händeschütteln durch den Kopf schossen. Unglaublich sympathisch, zuverlässig, bodenständig, mir im Gespräch immer offen, interessiert und aufmerksam zugewandt, zielstrebig, ohne jedoch die Bodenhaftung zu verlieren, von Starallüren keine Spur – diese Eindrücke sollten sich im Laufe unserer Zusammenarbeit noch manifestieren. Wahrscheinlich ist es besser, Ihnen jetzt mal Fakten zu liefern, damit Sie in meine Lobeshymne einstimmen können:

Als er neun Jahre alt war, sind seine Eltern mit ihm zu einem „Tag der offenen Tür“ auf den Golfplatz gefahren. „Seit dem Tag bin ich infiziert davon“, sagt er und sofort blitzen seine Augen euphorisch auf. Davor hat er Tennis gespielt. Auf die Frage, ob ihm der sportliche Ehrgeiz aufgrund seiner Mutter (Ex-Skirennläuferin Ingrid Eberle) quasi in die Wiege gelegt worden sei, antwortet er schmunzelnd: „Beim Tennis war er nicht da. Mir hat wohl das Spielen Spaß gemacht, aber die Punkte haben mich nicht so wirklich interessiert.“

HÖHENFLÜGE

Überhaupt seine Eltern – die spielen eine ganz wichtige Rolle in seinem Leben, auf ihre Meinung und Einschätzung legt er großen Wert. In seiner Kindheit standen naturgemäß viele Skiurlaube am Programm, „aber meine Eltern haben jetzt nie gesagt: Du sollst Skifahrer werden. Sie haben mir immer offen gelassen, was ich tun möchte.“ Vielleicht war es gerade diese Freiheit, die ihm seine späteren Höhenflüge ermöglicht hat.

Obwohl er sportliche Ziele scheinbar mühelos, wie im Vorbeigehen meistert, ist er dennoch nie abgehoben. Im Gegenteil: Trotz inniger Begeisterung und Leidenschaft für den Golfsport und dem festen Ziel vor Augen, schnellstmöglich ins Profilager zu wechseln und seinen Lebensunterhalt mit dem Golfsport zu bestreiten, scheint er nie den Bezug zur Realität zu verlieren. So ist es ihm beispielsweise extrem wichtig, einen „Plan B“ zu haben, „weil es im Sport, auch im Golf, so schnell gehen kann, dass du zum Beispiel eine Verletzung hast und dann ist deine Karriere beendet. Oder du spielst nicht mehr so gut. Es muss nur irgendeine Kleinigkeit passieren.“ Dieser „Plan B“ ist sein BWL-Studium. Auch später, falls es mit dem Leistungssport nicht klappen sollte, fände er es toll, „irgendwie beim Sport bleiben zu können“, in Kombination mit Wirtschaft vielleicht, denn da interessiert ihn natürlich auch sehr viel. Klingt ziemlich bodenständig.

LEBE DEINEN TRAUM

Es war immer schon sein Traum, Golf zu seinem Beruf zu machen. Für Manuel Trappel dennoch kein Grund, alles auf eine Karte zu setzen. Auf den finanziellen Part angesprochen, kommen von ihm Aussagen, die sich in die Rubrik „rücksichtsvoll und bescheiden“ einordnen lassen: „Ich hab meistens Turniere in Österreich gespielt und ein paar Auslandsturniere, die mit dem Auto erreichbar waren, weil ich kann es meinen Eltern nicht zumuten, alles zu finanzieren, das geht nicht“, spricht er über die Zeit, als er noch nicht im Nationalteam war. Später hat er die volle Unterstützung vom ÖGV erfahren, speziell als es um die intensive Vorbereitung für seine Teilnahme an den British Open ging.

Amateur oder Profi – das will gut überlegt sein. Als Amateur wird man zwar vom Verband finanziell unterstützt, darf aber andererseits keine Sponsoren haben, sondern nur Ausrüster, und Preisgelder gibt’s auch keine. Wechselt man ins Profilager, fällt die Förderung des Verbandes weg, man muss sich selber finanzieren – mittels Preisgeldern und Sponsoren. Letzteres ist am Beginn einer Profikarriere meist recht schwierig und außerdem durch die derzeitige Wirtschaftslage stark gebremst – wurden vor einigen Jahren noch  Unsummen an Sponsorengeldern in den Golfsport gepumpt, haben in der Vergangenheit etliche große Konzerne das Golfsponsoring schlichtweg von ihrer Ausgabenliste gestrichen. „Wenn ich von Woche zu Woche vom Preisgeld leben müsste, das wäre mir ein zu großer Druck. Deswegen wird dieser Schritt auch davor gut geplant“, gibt sich Trappel ganz realistisch. In dieselbe Kategorie fällt auch seine Antwort auf die Frage, was ihm lieber sei, kurzes oder langes Spiel: „Kurzes Spiel“, kommt es wie aus der Pistole geschossen, weil „damit verdienst du dein Geld. Je besser das kurze Spiel ist, desto mehr verdienst du“. Sehr pragmatisch.

MUSIC IN THE AIR

Zielstrebig, willensstark, bodenständig – diese Eigenschaften kann man ihm nicht absprechen. Gleichzeitig ist er ganz einfach der „junge Mann von nebenan“, in dessen Leben Musik eine herausragende Rolle spielt: „Ab und zu hör ich auf der Driving Range Musik, ansonsten aber auf jeden Fall auf dem Weg zum Golfplatz. Und auch vor einem Turnier. Eigentlich bin ich immer mit Kopfhörern unterwegs.“ Und er liest gern, am liebsten Biografien. Zuletzt war’s jene von Andre Agassi – „Open“ –, als nächstes steht die von Apple-Gründer Steve Jobs auf der Leseliste.

Neben seinen Eltern ist ihm auch seine Freundin, mit der er seit 2008 zusammen ist, eine große Stütze. Sie sehen einander, so oft sie können und da sie ihn „ja schon so“ kennengelernt hat, „versteht sie das voll und ganz“ – also sein hartes Training, die vielen Reisen und all das. Ob sie auch Golf spielt? „Ich arbeite dran“, antwortet er grinsend. Und da ist es wieder, dieses Aufblitzen in seinen Augen.

13. FEBRUAR 2013

Ein Tag, an dem sich vieles verändert. Manuel Trappel wechselt ins Profilager, lässt den schützenden Kokon des ÖGV hinter sich. Ende Februar, Anfang März stehen die ersten beiden Turniere als Profigolfer in Ägypten am Programm.

Wir treffen einander Ende März im Golfclub Lindau – Bad Schachen zum Fotoshooting und auch, um zu erfahren, wie es ihm jetzt in der Profiliga so geht.

WEEK: Du spielst jetzt auf der Alps Tour, in der 3. Liga des Profigolfsports, und hast in Ägypten deine ersten Preisgelder erspielt. Wie kam’s nun zu dieser Entscheidung?
MANUEL TRAPPEL: Ich hab zuvor alle Optionen analysiert und eruiert, welche Möglichkeiten es gibt. Ich wollte schon im Vorfeld das Sponsor-Thema geregelt haben, weil auf der Alps Tour die Preisgeldschecks noch ziemlich gering sind. Ohne Sponsoren wär’s nicht möglich.

WEEK: Der Geldhahn geht also noch nicht auf, so wie das in einem anderen Medium zu lesen war?
MANUEL TRAPPEL: Golf ist gleich großes Geld – das ist überall in den Köpfen drin. Aber leider ist es so nicht. Gerade am Anfang findest du schwer Sponsoren. Aber man muss klein anfangen und es ist ein erster Schritt.

WEEK: Klingt ganz danach, als hättest du wie immer auch schon den nächsten Schritt exakt geplant …
MANUEL TRAPPEL (schmunzelt): Ziel ist auf jeden Fall, dass ich nach diesem Jahr in die 2. Liga – die Challenge Tour – aufsteigen möchte.

WEEK: Viele setzen eine Golfrunde einem Spaziergang im Grünen gleich, dabei bedeutet es vor allem konsequentes Training, wenn man erfolgreich sein will …
MANUEL TRAPPEL: Stimmt, das ist genauso ein Mythos wie die Sache mit dem großen Geld. Wesentlich beim Golfspielen sind die richtige Technik, körperliche Fitness und mentale Stärke. Ich trainiere im Normalfall sechsmal die Woche, jeweils sechs Stunden Golf und eineinhalb bis zwei Stunden Fitness.

WEEK: Und wie bekommst du das Mentale in den Griff? Zwischen den einzelnen Schlägen hat man doch oft viel Zeit zum Grübeln und wenn ein Schlag nicht so gut gelungen ist, rutschen viele in eine Negativspirale ab.
MANUEL TRAPPEL: Ich denke zwischen den Schlägen eigentlich nicht ans Golfspielen. Ich schau mir die Landschaft an, denk an andere Sachen und Musik – ja, meistens hab ich Musik im Kopf. Erst wenn ich wieder beim Ball bin, konzentriere ich mich für den nächsten Schlag, fokussiere mein Ziel. Das hilft mir sehr – wirklich ganz konkret zu schaun, wo ich hin will. Also nicht nur ungefähr dort, sondern konkret fünf Meter rechts von der Fahne oder so.

Da ist sie wieder, die Musik. Manche Dinge ändern sich eben doch nicht, auch nicht, wenn man vom Amateur- ins Profilager wechselt. Hat er denn schon die Biografie von Steve Jobs gelesen? Da sei er grad dran, sagt er. Und seine Freundin – hat sie mittlerweile mit dem Golfen angefangen? „Wenn’s die Zeit zulässt, macht sie heuer sicher einen Kurs“, kommt es mit dem bereits bekannten Augenblitzen retour.

ZUR PERSON

Manuel Trappel: Profigolfer seit 13.2.2013; Erfolge als Amateurgolfer: Vorarlberger Landesmeister 2005, 2006 und 2008; Europameister 2011; Staatsmeister 2011; Golfer des Jahres (ÖGV) sowie Vorarlberger Sportler des Jahres 2011.
Geboren: 16. September 1989
Wohnhaft in: Innsbruck und Bregenz
Familienstand: seit 2008 in einer Beziehung.
Hobbys: Sport, Musik, Kino, Filme schauen, mit Freunden unterwegs sein.

www.manueltrappel.at

Text: Susanne Lohs

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