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Oft sind ganz viele Ideen für einen Artikel, Werbetext oder was auch immer in meinem Kopf. Sie wollen aber den Weg über Nacken, Schultern, Arme, Hände, Finger und Tastatur nicht finden, um schlussendlich die weiße Fläche am Bildschirm vor mir mit einem leicht und unterhaltsam zu lesenden Text zu füllen. Ob des Tumults in meinem Kopf scheine ich wie gelähmt zu sein. Ich beginne, die Krähen und Elstern auf dem Firmenflachdach vor meinem Bürofenster zu beobachten und die Mistelzweignester in den beiden Birken am Nachbargrundstück zu zählen.

Aufruf zur #bloCKparade

Kerstin Hoffmann hat zur Blogparade mit dem Thema “Schreibblockade – Tipps, Strategien und Erfahrungen” aufgerufen. Eine tolle Sache, bei der ich gerne mitmache!

Wenn die (Schreib)Leitung blockiert ist, kommt bloß "Buchstabensuppe" raus ...

Wenn die (Schreib)Leitung blockiert ist, kommt bloß “Buchstabensuppe” raus …

Schreibblockaden – gibt’s die bei mir überhaupt?

Ja. Also an Themen und Inhalten mangelt’s mir nie – weder für mein eigenes Blog, noch wenn ich für Kunden Mailings, Newsletter oder andere Texte verfasse. Und auch nicht, wenn ich als Freie Journalistin Reportagen, Porträts oder Interviews texte.

Aaaaber: Diese Themen und Inhalte in lesenswerter Form zu Papier bzw. auf den Bildschirm zu bringen, damit hadere ich dann doch manchmal. Das spielt sich meist in etwa so ab, wie ich das im einleitenden Absatz beschrieben habe.

Auf kreative Eingebung hoffen?

Als ich mit dem professionellen Schreiben begonnen habe, dachte ich immer, ich muss nur fest genug an die kreative Eingebung glauben, dann wird sie schon kommen. Und hab derweil andere Dinge erledigt. Da das Warten auf geniale Geistesblitze mit den von Kundenseite veranschlagten Deadlines meist nicht kompatibel war, habe ich das bald wieder aufgegeben. Die Augen geöffnet hat mir damals ein Interview mit Nick Cave, das ich irgendwo gelesen hatte. Darin antwortete er auf eine Frage, die sich genau um dieses Thema drehte, sinngemäß: “Auf kreative Eingebung zu warten ist Bullshit. Schreiben ist ein Job wie jeder andere auch. Ich gehe jeden Morgen zur gleichen Zeit in mein Büro, setze mich an den Schreibtisch und beginne einfach zu schreiben.”

Just do it!

Diese Aussage hat mir sehr geholfen und den Anstoß gegeben, es genau so zu tun. Just do it also. Eigentlich ganz einfach. Oder auch nicht. Oft ist es nämlich so, dass mir DIE perfekte Formulierung schlechthin oder die inhaltliche Struktur für einen Artikel bei einer ganz anderen Tätigkeit als dem Schreiben selber einfällt. Beim Wäsche aufhängen zum Beispiel. Oder beim Staubsaugen. Manchmal auch unter der Dusche. Oder wenn meine Tochter gerade Klavierstunde hat und ich derweil im Auto warte. Deshalb habe ich immer ein Notizbuch plus Stift in meiner Handtasche, mein iPhone sowieso und zeitweise auch mein iPad. Formulierungen, Headlines und dergleichen tippe ich gleich gerne in iPhone oder iPad, um es später einfach direkt übernehmen zu können. Ideen, Strukturen und Inhalte kritzle ich hingegen lieber handschriftlich in mein Notizbuch.

Die Inhalte und die grobe Struktur für diesen Blogbeitrag beispielsweise waren plötzlich in meinem Kopf, als ich grübelnd über den Texten für die neue Website eines Kunden saß. Schnell Zettel und Kugelschreiber zur Hand genommen und alles gleich mal festgehalten. Für’s Feintuning ist ja später noch Zeit – Hauptsache, die Grundgedanken sind erst mal niedergeschrieben. Denn genauso schnell, wie die oft kommen, sind sie auch wieder weg – hat man sie dann nicht schon irgendwie, irgendwo festgehalten, schaut man durch die Finger (oder besser gesagt: auf den weißen Bildschirm vor sich).

Headline first? Headline first!

Entgegen allen anderslautenden Empfehlungen beginne ich eine Reportage, ein Porträt oder Interview und auch meine Blogbeiträge immer mit der Headline. Gemeinhin bekommt man den Ratschlag: “Schreib erst mal – die Headline ergibt sich dann aus dem Text.” Nicht bei mir.

So lange ich keine Headline formuliert habe, stockt das Schreiben. Was nicht bedeutet, dass ich nicht später, während des Schreibens, die Headline nochmal (oder auch mehrmals) leicht abändere oder komplett über den Haufen werfe. Dennoch muss ich gleich zu Beginn zumindest eine Idee für die Headline haben.

Der Kreis schließt sich

Warum das mit der Headline bei mir so ist? Ich versuche mal, das zu erklären: Mein Anspruch an meine “Schreibe” ist, dass sich der Kreis schließt – von der Headline bis zum letzten Satz. Das Geschriebene muss sich wie eine “runde Sache” anfühlen, der Leser soll sich leicht zurechtfinden und mir folgen können, der berühmte rote Faden muss erkennbar sein.

Kennen Sie das? Sie lesen eine Story, blättern um, suchen die Stelle, an der’s weitergeht – aber da ist nichts mehr, die Geschichte ist zu Ende. Also am Papier zumindest. Für mich, gedanklich, aber noch nicht. Da fehlt doch noch was! Das kann doch jetzt nicht ernsthaft der letzte Satz, das Ende der Geschichte gewesen sein?! So etwas fühlt sich wie ein “coitus interruptus” an.

Oder wenn sich Interviews so “abgehackt” lesen. Wenn zwei Fragen, die überhaupt nichts miteinander zu tun haben, in eine Fragestellung gepackt werden (“Was sagen Sie zur aktuellen Lage in Ihrer Branche und waren Sie heuer eigentlich schon auf Urlaub?”). Wenn die Fragen nicht aufeinander aufbauen, ineinander überleiten - mir dreht sich immer der Magen um, wenn ich solche “Würfe” lese.

Sobald ich von der Redaktion ein Thema vorgegeben bekomme oder wenn ich Material für einen neuen Blogbeitrag habe oder ein Mailing zu Akquisezwecken auf der Agenda steht – sobald also das Thema an sich klar ist, sind fast immer auch in meinem Kopf gleich zwei Dinge klar: Headline und Schluss.

Struktur und Orientierung dank Zwischenüberschriften

Die Zeilen zwischen Headline und letztem Satz müssen klarerweise noch befüllt werden. Dafür beginne ich zeitgerecht (oder versuche es zumindest) mit der nötigen Recherche, mache Notizen, überlege mir – je nach Zielgruppe – was für den jeweiligen Adressaten meines Geschriebenen wichtig und interessant sein könnte (das ist für den Leser einer Reportage in einem Magazin natürlich etwas anderes als für den potenziellen Kunden, der ein Mailing zugeschickt bekommt – aber das Prinzip ist immer das selbe).

Ich versuche, ein Thema zu zerlegen, Cluster zu bilden, diese in eine sinnvolle Reihenfolge zu bringen, entsprechende Zwischenüberschriften zu formulieren. Dann kommt der eigentliche Text an die Reihe. Am Schluss mache ich mich daran, Übergänge zwischen den einzelnen Textteilen zu glätten. Danach lese ich den kompletten Text (meist mehrmals) durch, um Tippfehler und Wortwiederholungen zu korrigieren.

Übrigens: Zwischenüberschriften sind eine ganz tolle Sache, wie ich finde. Sie erleichtern mir meine Arbeit und dem Leser das Lesen. Sie stellen beim Lesen so etwas wie Ankerpunkte dar, an denen sich der Leser orientieren kann. Mich persönlich schrecken (lange) Texte ohne Zwischenüberschriften ab – manchmal habe ich schlichtweg nicht die Zeit (oder das Interesse) einen Artikel komplett zu lesen. Dank Zwischenüberschriften kann ich mich innerhalb des Textes vorwärtsbewegen, ohne wirklich alles lesen zu müssen – erscheint mir der “Anker” interessant, lese ich an dieser Stelle weiter, andere Teile hingegen überspringe ich. Apropos lesen …

Wer gut schreiben will, muss viel lesen

Ich war immer schon eine Leseratte, muss mich also auch heutzutage nicht zum Lesen zwingen. Im Gegenteil: Für mich ist Lesen ein wesentlicher Bestandteil meines Jobs. Ich lese grundverschiedene Dinge – und alle gern und regelmäßig: Klassiker von Jane Austen oder Thomas Mann, pädagogische und psychologische Bücher, Marketing- und PR-Fachliteratur, Blogbeiträge und Newsletter von Kollegen, Lifestyle- und Reisemagazine, Fachzeitschriften, Wirtschaftsmagazine, Krimis und vieles mehr.

Lesen dient einerseits der Weiterbildung, ist für mich aber auch Inspirationsquelle und Recherchetool gleichermaßen, trainiert dabei automatisch meine eigene Ausdrucksweise und nicht zuletzt finde ich Lesen einfach spannend – und gleichzeitig entspannend.

Sprache und der Umgang mit ihr sind meine Welt. Ich liebe es, mit Worten zu spielen, zu hantieren – mal auf subtile Art und Weise, mal ganz offenkundig. Je nachdem, welches Genre ich gerade zu bespielen habe. Regelmäßiges Lesen hilft dabei, den eigenen Pool an Wörtern, Ausdrücken, Formulierungen stetig zu erweitern.

Eine Nacht drüber schlafen

Unabhängig davon, um welche Art von Text es sich handelt, versuche ich es mir einzuteilen, dass ich zwischen Fertigstellung meines Textes und Abgabe eine Nacht drüber schlafen kann. Für mich persönlich ist das unglaublich hilfreich: Mit etwas Abstand sehe ich gewisse Formulierungen nämlich am nächsten Tag mit anderen Augen und überarbeite sie nochmal. Oder für den einen Satz, der gestern noch etwas holprig klang, ist mir über Nacht eine geniale Alternative eingefallen, die ich jetzt noch einarbeite.

Wenn der Zeitdruck allerdings zu groß ist und der Abgabetermin drängt? Dann lege ich den Text trotzdem kurz beiseite und mache etwas anderes, um mir nach einiger Zeit das Werk nochmals vor Augen zu führen. Wichtig ist meiner Meinung nach einfach ein gewisser Abstand – zeitlich UND gedanklich.

Mein persönliches 5-Punkte-Fazit

#1: Just do it. Nicht erst lange grübeln – einfach hinsetzen und zu schreiben beginnen. Der richtige “Flow” kommt dann meist von ganz allein.

#2: Immer Block + Stift, Tablet oder Smartphone zur Hand haben, um spontane Einfälle sofort festhalten zu können.

#3: Vorbereitung, Recherche, Notizen, eine wohlüberlegte Struktur (aufeinander aufbauend, ineinander übergreifend), ein roter Faden von der Headline bzw. Einleitung bis zum letzten Satz - all das ist wichtig, um dem Leser nicht bloß eine beliebige “Buchstabensuppe” vorzusetzen.

#4: Selber viel zu lesen hilft, Sprache und den Umgang mit Wörtern zu trainieren und zu etwas Selbstverständlichem zu machen.

#5: Abstand. Wenn es sich einrichten lässt: Eine Nacht drüber schlafen. Ansonsten einfach mal eine Stunde etwas anderes tun. Erst dann den Text nochmal zur Hand nehmen und ein letztes Mal vor Abgabe akribisch drüberlesen.

Ich freue mich gerade total: Heute hat der “Flow” so richtig Besitz von mir ergriffen. Ich war dermaßen ins Schreiben vertieft, dass ich gar nicht dazu gekommen bin, die Krähen und Elstern zu beobachten und die Mistelzweignester zu zählen … ;)

Selbstverständlich werde ich nun erst mal eine Nacht drüber schlafen, den Beitrag morgen nochmal in Ruhe durchlesen und ganz bestimmt noch ein paar kleine Korrekturen vornehmen. Aber Hauptsache, die Leitung war diesmal nicht bloCKiert!

 

 

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